Autorenvortrag und Lesung: Klassenstunde mit der Weltenfabrik

Heute war es dann soweit: Ein Termin, dem ich schon länger entgegengefiebert habe. Autorenvortrag und Buchlesung in einer 7. Klasse in der Neuen Nikolaischule zu Leipzig. Organisiert wurde das Ganze von der Tochter einer Freundin, die den ersten Band der Weltenfabrik förmlich verschlungen hat. Letztes Jahr wurde das Buch von ihr auch im Rahmen einer Buchbesprechung vorgestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt war sie wahnsinnig stolz, den Autoren persönlich zu kennen und ihn für ihren Bericht interviewen zu dürfen.

Die Terminabsprache war … suboptimal und missverständlich, auf beiden Seiten. Letztlich stand ich heute vor dem Klassenzimmer, während die Referendarin, die den Deutschunterricht im Moment betreut, davon ausging, sich erstmal mit mir zu treffen, um den Inhalt meines Vortrags ein wenig zu besprechen. Oh weh. Aber wir haben uns einigen können und ich war ehrlich gesagt so aufgeregt, dass ich es einfach hinter mir haben wollte.

Also direkt rein ins Vergnügen und die überrumpelte Klasse mit den Worten begrüßt: „Hallo, mein Name ist Christoph Dolge und ich habe ein Buch geschrieben.“ Yeah. Das hatte gesessen. Große Augen durch alle Bänke.

Dann begann ich mit dem Autorenvortrag, bei dem ich im Urschleim angefangen habe: Geschichten erzählen. Pan narrans im Sinne von Pratchett und was das alles für mich bedeutet. Warum ich mich entschieden habe, selber Geschichten für meine Kinder auszudenken und wie es zur Buchidee kam. Was Phantastik für mich bedeutet und so weiter.

Anschließend konnte ich etwas über das Schreibhandwerk berichten. Wie gestalte ich eine Buchidee, was macht mein Notizbuch, wie arbeite ich beim Schreiben am Konzept und so weiter Interessant war für das Publikum und mich wohl die Frage: Wird in der Schule überhaupt AN Texten gearbeitet? Oder bleibt ein Werk immer auf der Stufe der ersten Fassung stehen, mit Rotstift vom Lehrer? Warum nicht dranbleiben und verbessern. Die Schüler schienen echt mitgerissen von der Idee – ich hoffe, dass muss die arme Referendarin nicht ausbaden.

Der nächste Punkt war ein kleiner Ausflug ins Verlagswesen und was alles damit zusammenhängt. Denn – der Autor produziert im besten Fall nur einen Stapel bedruckter Blätter. Daraus ein Buch zu machen ist Aufgabe von anderen. Auch die kleinen Unterschiede zum Selbstverlag und Books on Demand war Thema. (Frage der Schüler: „Warum haben sie so schnell die Geduld verloren und sich nicht weiter an die großen Verlage gewandt?“)

Ein paar Standardfragen zum Thema „Woher bekommen sie eigentlich ihre Ideen?“ habe ich schon im Vortrag abgefangen und bin da bei meinem bewährten Vergleich geblieben: Ich habe das Ventil im Kopf, mit dem andere Erwachsene ihre Phantasie abstellen können, einfach nicht. Bei mir fließt der Kram immer und ich muss einfach nur mitschreiben.

Höhepunkt für mich war natürlich die Lesung: Ich muss nicht frei sprechen und kann meine *wundervolle* Stimme zum Einsatz bringen. Kähähä. Vorgetragen habe ich zwei Stellen vom Anfang der Weltenfabrik: Zuerst der Schatten im Labor von Dr. Brunnwinkler, als er dafür sorgt, dass eine über die Luft übertragbare Variante der Schlafkrankheit entsteht, die dann den Untergang der Erde einleitet. Und anschließend die meiner Meinung nach am besten gelungene Szene des Buches: Jan flieht im Park vor einem aggressiven Mitschüler und wird vom Auto überfahren. Dabei findet er heraus, dass er in die Zukunft blicken kann und so manchmal eine zweite Chance bekommt: Denn als die Vision abbricht, kann er sich noch retten und sieht das Auto im letzten Moment an sich vorbeischießen. Soweit ich das beurteilen konnte, haben die Schüler in diesem Augenblick ziemlich mitgefiebert.

Zum Schluss habe ich den begonnenen Handlungsbogen noch ein wenig nacherzählt, ohne aber Details zu verraten. Vielleicht konnte ich dem einen oder anderen ja ein wenig Lust auf das Buch machen. Auf meine Frage hin, ob ihnen die vorgetragenen Stellen denn gefallen hätten, nickte die Klasse jedenfalls eifrig.

Dann ein braver Abschiedsapplaus und eine etwas halbgare Verabschiedung von mir. „Ja, äh dann. Wars das. Tschüss! Viel Spaß noch.“

WOW. Ich habe geschwitzt wie ein Ochse und mich hinterher gefühlt, als wäre ich über zwölf Runden gegangen. Dabei hatte ich gar nichts auszustehen. Die waren alle total lieb und interessiert!

 

Gerne wieder.

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