Das teuerste Zeug der Welt

Ich habe länger nichts nerdiges mehr geschrieben. Nun ist es aber soweit. Gestern traf mich ein Gedankenblitz: Es ist alles so klar, so sichtbar, so unmittelbar verständlich! Aber fangen wir ein bisschen früher an und steigern die Geschichte langsam.

Zuerst: Wer kennt sie nicht, die Galileo-Welt-der-Wunder-Faktastisch-Videos, in denen dem Konsumenten interessante Häppchen von Wissenschafts-Trivia geboten werden. »die Top 10 der schnellsten Tiere der Erde« oder »Die vollständige Liste all der lustigen Unfälle, die es in der Geschichte des Militärs gegeben hat« oder vielleicht sogar »Diese 3 Dinge hast du garantiert nicht erwartet, aber sie geschahen alle, nachdem wir Hitlers Katze rasiert haben.«. Völlig belangloser Scheiß also, mit dem man in Kneipengesprächen wunderbar auftrumpfen kann.

Nun betrachten wir also eine Kategorie dieser Videos mal ein wenig genauer: Es geht um die wertvollste Substanz auf Erden, gemessen im Preis pro kg. »Gold!« werden da einige brüllen, die von Fakten und derartigen Auflistungen bisher verschont geblieben sind, »Diamanten« vielleicht einige derjenigen, die eine Mikrosekunde nachdenken, ehe sie antworten und irgendwas wie »Weltfrieden«, falls jemand zu lange nachgedacht hat. In den Listen finden sich dann zum Beispiel hochreine Drogen wie Kokain oder LSD, manchmal auch exotische Isotope. Im Verlauf der Videos wird man dann mit möglichst ungewöhnlichen Dingen konfrontiert, zum Beispiel Briefmarken, die man, aufs Kilo hochgerechnet, natürlich am besten an der teuersten Marke der Welt festgemacht, auf einen Preis jenseits dessen von Kohlenstoff mit Brillantschliff dotieren kann. Schön sind für mich als Biotechnologen auch die Beispiele von teuren Enzymen wie zum Beispiel Pyrophasphatase, die aufwändig aus Pflanzen gewonnen wird.

Eine Sache will ich ausklammern, weil ich sie nicht gelten lasse: Antimaterie. Die Herstellung ist wahnsinnig teuer und leider derzeit noch vollkommen blödsinnig, weil es keine bekannte Methode gibt, das theoretische Produkt der Synthese anschließend stabil zu lagern.

Nun aber zu meinem Gedankenblitz: Die teuerste Substanz der Welt ist … Trommelwirbel … nichts. Na gut, fast nichts. Ich rede von hochreinem Vakuum. Ich bin jetzt zu faul, konkrete Preise zu recherchieren, fest steht aber folgendes: Weil es umso teurer wird, je sauberer, sprich »leerer«, es ist, desto mehr steigt der Preis pro Kilo ins Exponentielle, je weniger von dem Zeug man hat. Ein Vakuum, bei dem nur noch einzelne Moleküle pro Kubikmeter wirbeln, erzielt garantiert einen irrsinnigen Erlös. Je weniger man hat, desto mehr kostet es. Ich bin so genial.

Nun mein Schlussplädoyer: Erspart uns bitte diese vollkommen hirnlosen Listen, mit denen ihr ohnehin nur Clicks und Werbeeinnahmen generieren wollt. Unser Hirn ist ohnehin schon mit genug Trivia verklebt; wir können uns ja kaum noch auf das Wichtige im Leben konzentrieren: Den Geburtstag von Mutti, die Geheimnummer der Sparkassenkarte oder Weisheiten wie Up Up Down Down Left Right Left Right B A.

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Hörgeschichte: Fang und der Wettlauf von Ollaia

Neue kostenlose Hörgeschichte (damit sind es schon drei):

„Die Weltenfabrik: Fang und der Wettlauf von Ollaia“

Fang und seine Kameraden Âvia, Brommin und Levirok sind in der Welt Ollaia, um den Einschlag eines nahenden Asteroiden zu verhindern. Lässt sich die Heimatwelt der Ollaianer noch retten oder müssen sich die Agenten dem Schicksal geschlagen geben?

(als Download zum Mitnehmen hier: https://archive.org/details/FangUndDerWettlaufVonOllaia)

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April 4, 2017 · 7:43 pm

Rezension von Sannes Book Catalogue

Nach und nach trudeln nun die Rezensionen ein. Hier wieder jemand, dem die Weltenfabrik offenbar zugesagt hat:
 

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März 15, 2017 · 11:21 am

Autoreninterview mit Christoph Dolge

Ich habe das Glück, ein wenig direkten Zugriff auf meine Zielgruppe zu haben. So stellt eine Bekannte, die derzeit die 6. Klasse besucht, demnächst den ersten Band der Weltenfabrik in ihrer Schule vor. Unter anderem hat sie sich von mir gewünscht, dass sie ein kleines Interview mit mir führen darf. Dem bin ich mit Freuden nachgekommen. Und da ich ein wenig Schreibschmalz in die Antworten investiert habe, denke ich, werde ich sie mit euch teilen:

Autoren-Interview mit Christoph Dolge

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zu schreiben?

Ich habe zwei Söhne. Denen habe ich viel und gern vorgelesen. Außerdem ist es schon eine kleine Familientradition, selbst ausgedachte Gute-Nacht-Geschichten zu erzählen. Der Hase »Mümmelmann«, der in seinen Abenteuern gegen Räuber, Umweltverschmutzung oder auch mal eine fiese Hexe kämpft, stand immer hoch im Kurs. Irgendwann dachte ich: Es wäre schön, ihnen auch Geschichten vorlesen zu können, die ich selbst geschrieben habe, in die ich mehr Zeit und Arbeit investiert habe als die fünf Minuten, die ich abends brauche, um mir den neuesten Trick des gewitzten Karnickels aus den Fingern zu saugen. Also habe ich angefangen, die Weltenfabrik zu entwerfen – durch die unendliche Vielzahl von Universen ist dort sicher gestellt, dass mir nie die Ideen für neue Abenteuer ausgehen.

2. Ist die Geschichte am Ende so geworden, wie sie am Anfang geplant war?

Ja und Nein. Ich meine – am Ende gewinnt das Gute, ich denke, soviel darf ich verraten. Aber wie es gewinnt, wie sich die Umstände entwickeln und was sich die Kontrahenten im letzten Konflikt zu sagen haben, das hat sich erst entwickelt, während ich das Buch geschrieben habe. Am Anfang hatte ich eine grobe Idee, ein paar Entwürfe für die Fabrik, die Welten und die Figuren. Aber auf der Reise zum Ende der Geschichte lerne ich meine Schöpfung auch besser kennen – ich bin da ganz wie die Erbauer der Weltenfabrik. Ich erschaffe phantastische Dinge und Wesen und kann trotzdem total gespannt darauf sein, wie sie sich verhalten.

3. Sind noch andere Bücher zur Weltenfabrik geplant? Wenn ja, welche?

Ja. Im Moment schreibe ich an »Jan Lux und der Zorn der Herrin« und mindestens ein weiteres Buch soll es noch geben. Ich will eine Art Grundstock schreiben, von dem ausgehend die Weltenfabrik selbst recht gut definiert ist, der aber ermöglicht, dass sich Leser eigene Welten ausdenken, eigene Figuren und eigene Geschichten entdecken. Wenn ich dann noch Lust habe, kann natürlich noch mehr kommen. Vielleicht mit anderen Hauptfiguren. Zwei Kurzgeschichten mit Fang in der Hauptrolle gibt es schon.

4. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Die Weltenfabrik ist auf jeden Fall ein wichtiger Pfeiler meiner zukünftigen Arbeit. Allerdings habe ich noch ein weiteres Projekt, dass derzeit in der Schreibtischschublade ruht: Da soll es um Labormäuse gehen, die ein Krankenhaus übernehmen, nachdem die Menschen verschwunden sind. Vermutlich ist das aber eher eine Geschichte für Erwachsene.

5. Welche Figur aus der Weltenfabrik mögen Sie am meisten?

Ich habe keinen einsamen Favoriten, aber ich kann drei Lieblinge verraten: Fang, Nadir und Brommin, ohne bestimmte Reihenfolge. Fang ist meiner Meinung nach ein guter Lehrer: Er ist verdammt streng, aber er weiß auch, was er von seinen Schülern erwarten kann. Er bringt sie an ihre Grenzen, zeigt ihnen damit aber auch, was alles in ihnen steckt. Nadir ist ein absolut treuer Freund, ein starker und cooler Kumpel, zu dem man mit jedem Problem kommen kann. Er hat ein Gespür dafür, was die Menschen um ihn herum bewegt, was sie brauchen. Und Brommin? Ich finde einfach die Vorstellung sehr lustig, wie dieser sich auf Stummelbeinen durch seine Kräuterstube schiebt, mit jedem seiner sechs Arme nach irgendeiner Medizin, einem Untersuchungswerkzeug oder einem Buch greift und dich gleichzeitig fragt: »Was fehlt dir denn?«, um hinterher mit der Zunge zu schnalzen, weil du wieder so doof warst, dir irgendeine Verletzung einzuhandeln.

6. Wie sind Ihnen die Ideen zu dem Buch gekommen?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage überhaupt, die man einem Autoren stellen kann. Es gibt zwei Ebenen – das eine ist der eher abstrakte Teil, in dem es um den Aufbau des Buches geht. Welche Funktion hat welche Figur, in welcher Reihenfolge werden welche Welten besucht, wie stelle ich die Protagonisten vor, kommt der Antagonist (der Schatten der Herrin) auch zu Wort oder ist er eine ferne Bedrohung? All das lernt man am besten, in dem man andere Bücher liest. Zu diesen Fragen haben andere Autoren schon eine Riesenzahl von Antworten gefunden, bei denen man sich bedienen kann, von denen man lernt und die man irgendwann auch variiert und um eigene Einfälle erweitert. Die andere Ebene ist die der reinen Phantastik: Wie sieht eine fremde Welt aus? Was für Bewohner hat die Weltenfabrik? Welche Sprache sprechen sie? Was sind die Begabungen der Agenten und welche Macht haben die Erbauer? Woher kommt der Schatten und warum ist er darauf aus, die Erde zu zerstören? Ich denke, jeder Mensch hat in seinem Kopf eine Quelle für diese Ideen, aber bei manchen tröpfelt es eher und bei manchen fließt ein großer breiter Strom der Phantasie. Ich glaube manchmal, bei mir ist das Ventil, dass diesen Strom regelt, kaputt: Mir kommen ständig und überall Ideen, in den blödesten Situationen. Meine Aufgabe ist eigentlich weniger, mir phantastische Elemente auszudenken, sondern aus dem Brunnen zu schöpfen und die guten von den schlechten Einfällen zu trennen.

7. In welcher Umgebung schreiben Sie am liebsten?

Die Geschichten selbst schreibe ich ganz profan am Computer. Das ist nicht sonderlich bequem und ich habe meinen Schreibtisch auch nicht besonders eingerichtet. Wenn ich statt Büchern Buchhaltungsberichte verfassen würde, gäbe es vermutlich keinen nennenswerten Unterschied. Was für mich aber ganz wichtig ist, ist das Notizbuch, in dem ich überall sonst, wenn ich keine Tastatur habe, meine Ideen festhalte. Manchmal kommt mir ein Gedanke, eine Dialogzeile, ein Detail für eine Figur oder ein kompletter Buchentwurf und es ist dann wichtig, das so schnell wie möglich zu Papier zu bringen. Deswegen ist mein wichtigstes Werkzeug eigentlich immer noch Stift und Notizbuch. Ich habe mir sogar die Arbeit gemacht, es selbst zu binden, mit weichem Leder, damit es angenehm in der Hand liegt.

8. Sind die Figuren einfach so entstanden oder gibt es Menschen, denen Sie diese Figuren zuordnen können?

Meine Figuren entstehen auf zwei Wegen: Zuerst ist wichtig, welche Funktion sie für die Geschichte erfüllen sollen. Welche Gefühle sollen sie beim Leser wecken – soll er sie mögen oder nicht? Sollen sie vielleicht Vorbildfunktion haben oder ein schlechtes Beispiel geben? Bei der Weltenfabrik habe ich mich bemüht, mit Jan eine bunte Mischung aus Mitstreitern auf den Weg zu schicken, die aus verschiedenen Ecken der Erde kommen und eine ganz unterschiedliche Sicht auf Probleme mitbringen. Leider kenne ich keine südamerikanischen Ureinwohner oder Chinesen persönlich. Aber die Details, was einen Menschen sympathisch macht oder was mich denken lässt: »Was für ein fieser Kerl!«, die schaue ich mir selbstverständlich bei den Leuten aus meiner Umgebung ab. Wer das genau ist, verrate ich aber nicht.

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Eingeordnet unter Phantastik, Vermischtes zur Weltenfabrik, Weltenbasteln

Dinosauriertexte

Liebe Leser der Weltenfabrik, ich will nur kurz ein kleines Nebenprojekt vorstellen, das ich als Fingerübung fürs Schreiben und Sprechen bzw. Vorlesen der Texte betreibe. Mein erster Mikrofontest erfolgte mit dem folgenden kleinen Slam-Essay: Ich wünschte, ich wäre der Stegosaurus.

Gestern ist der zweite Teil dazu fertig geworden: Ich wünschte, ich wäre der Pachycephalosaurus.

 

Nun gibt es Dinosaurier noch in Hülle und Fülle und ich habe auch zu weiteren Arten schon kreative Ideen. Was denkt ihr – wäre das eine Richtung, die ich weiter verfolgen könnte? Nach dem Motto: „Lieber ausgestorben, als heute Velociraptor sein“? Gibt es Dinosaurier, die ihr in dieser Form verarbeitet sehen wollen würdet? Oder soll ich schlicht aufhören, nicht mehr versuchen, lustig zu sein und lieber endlich den zweiten Teil der Weltenfabrik fertigmachen (Keine Sorge, der ist sowieso in Arbeit)?

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Weitere Rezi: Verenas Welt

Ich habe eine Buchempfehlung auf dem Blog „Verenas Welt“ für die Weltenfabrik erhalten. Ich freue mich, dass langsam die Rezensionen eintrudeln, für die ich vor einiger Zeit Testexemplare verschickt habe. Dies ist eine davon:
 

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Februar 1, 2017 · 4:11 pm

Hörgeschichte: „Fang und das Ende einer Ära“

Jetzt ist die zweite Hörgeschichte zur Weltenfabrik fertig und auch die will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Diesmal geht die Geschichte sogar noch etwas weiter zurück und beleuchtet, wie Fang eigentlich das erste Mal in die Fabrik kam und wieso er sich entschied, zu bleiben und den Erbauern zu dienen.

 

Geschichte auf Soundcloud

Geschichte auf Youtube

 

Oder, wer die Geschichte als PDF lesen will: Hier klicken.

5 Kommentare

Januar 6, 2017 · 7:20 pm