Der Autor

Ausdrücklich keine Biografie!

Es fällt einem Autoren meist viel leichter, etwas über seine Figuren, seine Welten und seine Geschichten zu erzählen als einen Text über sich selbst zu verfassen. Ich selbst laufe dabei immer Gefahr, zu trocken und uninteressant oder zu schwafelig zu formulieren. Wie also stelle ich mich hier vor? Ich denke, ich betrachte ein paar Parallelen, die sich auch in meine Bücher eingeschlichen haben.

In der ersten Geschichte der Weltenfabrik-Reihe berichte ich anfangs über Jan Lux und seine Schulprobleme. Ich kann mir ehrlich gesagt kaum einen Menschen vorstellen, der nur positive Erinnerungen mit diesem Lebensabschnitt verbindet. Die größte Lüge, die sich Jugendliche anhören müssen ist die von der schönsten Zeit: Die Schulzeit wäre so toll, dass nichts, was später kommt, dieser Phase das Wasser reichen könne. Na großartig. Man wohnt noch bei seinen Eltern, ist deren Regeln und schlimmstenfalls auch ihren Launen unterworfen, wird gesetzlich dazu gezwungen, mit Mitschülern in einer Klasse zu hocken, die bestenfalls genauso unwillig sind, wie man selbst und die Mehrheit der Lehrer. DAS ist die beste Zeit im Leben?

Weil ich diesen Ort entsprechend unmotiviert besuchte, trug mir dies folgenden Kommentar einer Lehrerin ein: „Wenn Sie mit dieser Einstellung weitermachen, kommen sie nicht durchs Abitur.“  Ich änderte nichts an meiner Einstellung und kam durchs Abitur. Die Zeit danach, im Studium, als ich selbst ein Fachgebiet wählen konnte, welches mich interessierte (ich studierte Biotechnologie), war ein Erweckungserlebnis! Wie sehr wünsche ich jedem Schüler, eine solche Erfahrung machen zu dürfen.

Jetzt gleite ich ins Klischee ab, indem ich sage: Es war nicht alles schlecht. Natürlich gäbe es viele Gelegenheiten zum Lamentieren und Loben, aber auch hier will ich nur ein Zitat nennen, dass noch heute nachwirkt. Nachdem ich in meine Abiturprüfung im Fach Deutsch hinter mich gebracht hatte – anders konnte man es nicht nennen, der Unterricht war ein notwendiges Übel, dass es zu überstehen galt, wie einen Zahnarztbesuch – gab mir meine Lehrerin diese Einschätzung mit: „Sie werden einmal Schriftsteller.“ Trotzdem war der Abituraufsatz keine Eins; Thema verfehlt. Tja.

Die ungeordnete Kurzfassung meiner sonstigen Lebensabschnitte

Ich bin verheiratet und Vater zweier Söhne, die schon jetzt meine Begeisterung für phantastische Geschichten teilen und die der Ansporn waren, mit dem Schreiben (wieder) anzufangen. Natürlich ist auch meine Frau eine wichtige Stütze, denn wie jeder verheiratete Autor brauche auch ich jemanden, dem ich von überraschenden Wendungen, coolen Figuren und abenteuerlichen Schauplätzen erzählen kann, ehe ich die Geschichte zum Testlesen freigebe. Wow. Was ich ihr manchmal an die Backe labere, wenn ich einen neuen Abschnitt fertiggestellt habe … ich wünschte, ich hätte immer ihre Geduld.

Ich bin Master of Science der Biotechnologie und angewandten Umweltwissenschaft und kann Pilze ärgern, Enzyme analysieren und Chemikalien züchten … oder war das anders? Jedenfalls habe ich im Verlauf der Doktorarbeit, die ich nie fertiggestellt habe, gemerkt, dass das Leben als Wissenschaftler mir dauerhaft nicht gut tut. Ich habe allergrößten Respekt vor allen, die es schaffen, ihre psychische und körperliche Gesundheit dieser Knochenmühle unterzuordnen und die allzu oft auch ihr Familienleben dafür opfern.

Bevor ich mich für die Naturwissenschaft entschieden habe, wollte ich Gesang studieren. Hilfe, was habe ich mich überschätzt! Spätestens der Klavierteil der Aufnahmeprüfung hätte mir das Genick gebrochen. Trotzdem hoffe ich, dass mir die ausgebildete Stimme irgendwann noch einmal nütze ist – und sei es nur, um meine Bücher ein klein wenig spannender vorzulesen als es mir ohne Gesangsunterricht möglich wäre.

Zum Schluss noch ein Rat: Sucht euch ein Hobby. Am besten ein Handwerk. Ich persönlich baue Bögen – ja, die krummen Holzdinger, die Pfeile werfen. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl als das, ein Werkstück fertiggestellt zu haben und es dann auszuprobieren. Siehe da: Er schießt! Und ist nicht gebrochen! Und der nächste wird noch besser.

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Wolltest du nicht ein paar Parallelen vorstellen?

Habe ich doch! Ich liebe unfertige Charaktere. Typen, die noch etwas lernen können und die oftmals nicht so richtig wissen, was sie in der Welt tun sollen. Ich glaube nicht an Schicksal – niemand ist zum Autoren berufen oder ist per Geburt ein guter König. Prophezeihungen sind etwas für Typen, die nur einem vorgezeichneten Weg folgen wollen.

Jan Lux und seine Freunde sind ohne großen Plan in die Weltenfabrik gerufen worden und sollen dort helfen, die Schöpfung zu beschützen. Aber auf dem Weg dorthin stolpern sie, bauen auch mal Mist und holen sich Beulen und blaue Flecken, weil sie sich falsch entscheiden, weil sie zögern, auf schlechte Berater hören oder versucht sind, den Verführungen ihres Gegenspielers nachzugeben. Nichts davon ist vorherbestimmt, sondern immer die Folge von Entscheidungen – es gibt keinen geraden Weg vom Anfang des Buches bis zu seinem Ende, sondern einen verworrenen Pfad, den die Charaktere selbst durch das Unterholz der Geschichte schlagen.

So ähnlich sehe ich auch meinen Weg zur Autorenschaft: Ich will keine der Erfahrungen missen, die ich gemacht habe, will kein anderer Mensch sein und glaube, wenn ich irgendwo anders abgebogen wäre, hätte ich andere Bücher geschrieben als die, die ich auf dieser Seite vorstellen möchte.