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[Rezension] „Aurora“ von Kim Stanley Robinson

Robinson ist ein Schwergewicht der amerikanischen Scifi und dort gewissermaßen eine Ausnahme. Während viele Autoren eher rechts/libertär einzuordnen sind und dies auch in ihrem Romanen raushängen lassen, ist Robinson einer der wenigen, die eine Abkehr vom Kapitalismus befürworten und dezidiert „sozialistische“ Gesellschaftsformen beschreiben.
In Aurora beschreibt er die Geschichte eines Generationenschiffes, welches vollgeladen mit unterschiedlichen „Biomen“ zum zwölf Lichtjahre entfernten System Tau-Ceti fliegt. Nach der Einführung und Beleuchtung verschiedener Probleme, die sich während dieser Reise auftun, erreicht das Schiff sein Ziel. Die Kolonisten müssen allerdings feststellen, dass der für die Besiedlung ausgewählte Mond für Menschen toxisch ist und stehen vor der Entscheidung: Rückkehr zur Erde oder Ausweichen auf ein Alternativziel im selben System?
Die Hauptfigur Freya ist eine Kolonistin, deren Leben in der Geschichte nachgezeichnet wird: Man erlebt sie von der Pubertät an bis ins hohe Alter. Als Tochter der Chefingenieurin (die sich immer gegen diesen Titel wehrt und sich als erste unter Gleichen sieht) muss sie in große Fußstapfen treten und stellt dabei fest, dass ihre intellektuellen Fähigkeiten den Ansprüchen des Jobs nicht genügen. Stattdessen führt sie lieber pseudosoziologische Studien durch, befragt die Kolonisten zu diversen Themen, nimmt Stimmungsbilder auf und macht sich so intensiv mit den Menschen vertraut. Im Verlaufe der Handlung beschreitet sie einen völlig anderen Weg als ihre Mutter, die Probleme über technologische und wissenschaftliche Herangehensweisen löste. Freya hat ein gutes Händchen für Diplomatie und ist hochempathisch, Begabungen die ihr letztlich helfen, die Gesellschaft einigermaßen beieinander zu halten.
Der zweite Hauptcharakter ist meiner Meinung nach wesentlich interessanter und der eigentliche Star des Buches. Zu Anfang der Handlung instruiert Freyas Mutter den Quantencomputer des Schiffes mit einer Vielzahl neuartiger Algorithmen und Entscheidungsfindungsroutinen, um ihn eine Art Chronik der Reise schreiben zu lassen. Auf diese Weise lernt das Programm zu erzählen und findet sich immer besser in die Denkweise der Menschen und ihre Art, Geschichten zu strukturieren, Ereignisse zu priorisieren und Erfahrungen wiederzugeben, ein. Nach und nach entwickelt sich „Schiff“, wie sich der Computer selbst nennt, zu einem vollwertigen Bewusstsein, stellt sich selbst und seine Natur in Frage und entscheidet sich zum Beispiel selbstständig dafür, die Qualität der eigenen künstlichen Intelligenz zu bewerten. Es gibt ausführliche Monologe zur Nützlichkeit eines Turing-Tests und weitere kybernetische Freuden. Die Art und Weise, wie Robinson diesen Reifungs- und Selbsterkenntnisprozess beschreibt bzw. wie Schiff ihn selbst wiedergibt, ist bemerkenswert. Allein dafür halte ich das Buch für empfehlenswert für alle Leser, die sich für diese Themen interessieren.
Weitere große Fragestellungen, die in Aurora angeschnitten werden, sind die Ethik des Terraformings und der Besiedlung anderer Planeten. Dies kulminiert in dem Moment, in dem ein Funktionär die Aufgabe der Menschheit, sich im Universum auszubreiten, mit den Samen eines Löwenzahns vergleicht: Von 100 der Fallschirmchen muss nur eines auf fruchtbaren Boden fallen, damit die Sache ein Erfolg ist. Naturgemäß sehen die Kolonisten dies anders, die ja zu den 99 restlichen Samen gehören würden, welche man zum Sterben ausgeschickt hat. Das zentrale Fazit des Buches ist dann auch: Das Leben ist planetengebunden und nicht geeignet, den heimatlichen Himmelskörper dauerhaft zu verlassen.
Außerdem beschäftigt sich Robinson mit der Frage der Stabilität abgeschlossener und von der Erde isolierter Biome: Nicht nur genetische Degeneration, Speziesdrift und der Verschleiß der die biologischen Komponenten umgebenden Technik wird intensiv behandelt. Auch die Frage nachhaltiger Stoffkreisläufe und zum Beispiel der Verlust von Spurenelementen in nicht bedachten Senken oder das Ansammeln von Salzen als Abfall, der aufwändig wieder rückgeführt werden muss, spielt eine große Rolle.
Sprachlich ist das Buch komplex und voller Fachbegriffe. Die verwendeten Technologien und die Art und Weise, wie diese eingesetzt werden, qualifizieren den Roman als Hard-SF-Titel. Der größte Schwachpunkt ist meiner Meinung die Soziologie und Psychologie der handelnden Figuren. Die einzige einigermaßen nachvollziehbar und als dreidimensionaler Charakter agierende Person ist Freya, aber selbst die verblasst neben Schiff. Hätte Robinson es gewagt, die ganze Geschichte aus Sicht des Computers zu erzählen, hätte er die menschliche Perspektive ausnahmsweise völlig ausgeblendet, hätte der Roman in meinen Augen ein ganz ganz großer Wurf werden können. So wie es jetzt vorliegt, verwässern die Einschübe mit Fokus auf die Kolonisten das geniale Konzept. Dennoch kann ich Aurora SciFi-Fans, speziell Freunden von möglichst realistischen bzw. technologisch konservativen Zukunftsbildern uneingeschränkt empfehlen. Wer auf Aliens und Weltraumschlachten steht, wird hier aber enttäuscht werden.

  • Titel: Aurora
  • Autorin: Kim Stanley Robinson
  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (14. November 2016)
  • ISBN-13: 978-3453317246
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Autorenvortrag und Lesung: Klassenstunde mit der Weltenfabrik

Heute war es dann soweit: Ein Termin, dem ich schon länger entgegengefiebert habe. Autorenvortrag und Buchlesung in einer 7. Klasse in der Neuen Nikolaischule zu Leipzig. Organisiert wurde das Ganze von der Tochter einer Freundin, die den ersten Band der Weltenfabrik förmlich verschlungen hat. Letztes Jahr wurde das Buch von ihr auch im Rahmen einer Buchbesprechung vorgestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt war sie wahnsinnig stolz, den Autoren persönlich zu kennen und ihn für ihren Bericht interviewen zu dürfen.

Die Terminabsprache war … suboptimal und missverständlich, auf beiden Seiten. Letztlich stand ich heute vor dem Klassenzimmer, während die Referendarin, die den Deutschunterricht im Moment betreut, davon ausging, sich erstmal mit mir zu treffen, um den Inhalt meines Vortrags ein wenig zu besprechen. Oh weh. Aber wir haben uns einigen können und ich war ehrlich gesagt so aufgeregt, dass ich es einfach hinter mir haben wollte.

Also direkt rein ins Vergnügen und die überrumpelte Klasse mit den Worten begrüßt: „Hallo, mein Name ist Christoph Dolge und ich habe ein Buch geschrieben.“ Yeah. Das hatte gesessen. Große Augen durch alle Bänke.

Dann begann ich mit dem Autorenvortrag, bei dem ich im Urschleim angefangen habe: Geschichten erzählen. Pan narrans im Sinne von Pratchett und was das alles für mich bedeutet. Warum ich mich entschieden habe, selber Geschichten für meine Kinder auszudenken und wie es zur Buchidee kam. Was Phantastik für mich bedeutet und so weiter.

Anschließend konnte ich etwas über das Schreibhandwerk berichten. Wie gestalte ich eine Buchidee, was macht mein Notizbuch, wie arbeite ich beim Schreiben am Konzept und so weiter Interessant war für das Publikum und mich wohl die Frage: Wird in der Schule überhaupt AN Texten gearbeitet? Oder bleibt ein Werk immer auf der Stufe der ersten Fassung stehen, mit Rotstift vom Lehrer? Warum nicht dranbleiben und verbessern. Die Schüler schienen echt mitgerissen von der Idee – ich hoffe, dass muss die arme Referendarin nicht ausbaden.

Der nächste Punkt war ein kleiner Ausflug ins Verlagswesen und was alles damit zusammenhängt. Denn – der Autor produziert im besten Fall nur einen Stapel bedruckter Blätter. Daraus ein Buch zu machen ist Aufgabe von anderen. Auch die kleinen Unterschiede zum Selbstverlag und Books on Demand war Thema. (Frage der Schüler: „Warum haben sie so schnell die Geduld verloren und sich nicht weiter an die großen Verlage gewandt?“)

Ein paar Standardfragen zum Thema „Woher bekommen sie eigentlich ihre Ideen?“ habe ich schon im Vortrag abgefangen und bin da bei meinem bewährten Vergleich geblieben: Ich habe das Ventil im Kopf, mit dem andere Erwachsene ihre Phantasie abstellen können, einfach nicht. Bei mir fließt der Kram immer und ich muss einfach nur mitschreiben.

Höhepunkt für mich war natürlich die Lesung: Ich muss nicht frei sprechen und kann meine *wundervolle* Stimme zum Einsatz bringen. Kähähä. Vorgetragen habe ich zwei Stellen vom Anfang der Weltenfabrik: Zuerst der Schatten im Labor von Dr. Brunnwinkler, als er dafür sorgt, dass eine über die Luft übertragbare Variante der Schlafkrankheit entsteht, die dann den Untergang der Erde einleitet. Und anschließend die meiner Meinung nach am besten gelungene Szene des Buches: Jan flieht im Park vor einem aggressiven Mitschüler und wird vom Auto überfahren. Dabei findet er heraus, dass er in die Zukunft blicken kann und so manchmal eine zweite Chance bekommt: Denn als die Vision abbricht, kann er sich noch retten und sieht das Auto im letzten Moment an sich vorbeischießen. Soweit ich das beurteilen konnte, haben die Schüler in diesem Augenblick ziemlich mitgefiebert.

Zum Schluss habe ich den begonnenen Handlungsbogen noch ein wenig nacherzählt, ohne aber Details zu verraten. Vielleicht konnte ich dem einen oder anderen ja ein wenig Lust auf das Buch machen. Auf meine Frage hin, ob ihnen die vorgetragenen Stellen denn gefallen hätten, nickte die Klasse jedenfalls eifrig.

Dann ein braver Abschiedsapplaus und eine etwas halbgare Verabschiedung von mir. „Ja, äh dann. Wars das. Tschüss! Viel Spaß noch.“

WOW. Ich habe geschwitzt wie ein Ochse und mich hinterher gefühlt, als wäre ich über zwölf Runden gegangen. Dabei hatte ich gar nichts auszustehen. Die waren alle total lieb und interessiert!

 

Gerne wieder.

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Mein Schreibprozess: Überarbeitung, Polishing

Den Begriff »Polishing« klaue ich aus meinem früheren Leben. Ursprünglich bedeutet er für einen Biotechnologen, sein Produkt zu veredeln, zum finalen Punkt zu reinigen. Wenn man zum Beispiel einen Mikroorganismus oder ein Enzym aus einer Kultur erntet, erhält man in den ersten Schritten meist ein stark verunreinigtes Ergebnis. Nährmedienbestandteile, Nebenprodukte, Abfallprodukte und unter Umständen sogar Chemikalien, die verwendet wurden, um unerwünschte Teile abzutrennen schwimmen noch immer in der Lösung herum und verringern dadurch den Reinheitsgrad. Je mehr man sich einem hochreinen Finale annähert, desto besser. Nicht nur, weil sich das Produkt dann möglichst vorhersagbar verhält, meist ist es auch länger lagerbar, stabiler, erzielt bessere Effizienz bei der Biokatalyse etc.

Hoppla. Erneut bin ich vom eigentlichen Thema abgewichen und habe mich in ein Gebiet hineinegschrieben, das mit der ursprünglichen Intention dieses Textes herzlich wenig zu tun hat. Was nun? Wie im zweiten Teil beschrieben, lasse ich es erstmal stehen und widme mich dem Fortsetzen meines Manuskriptes. Oberstes Ziel beim Weiterschreiben war: Weiterschreiben. Und bestenfalls: Fertig werden.

Revision: Notwendiges Elend

Nun aber stellen wir uns vor, ich wäre an diesem Punkt angekommen und werfe noch einmal einen Blick über das bisherige Ergebnis: Oh weia. Da schwimmen noch Hefen (themenfremde Inhalte, Abschweifungen) herum, die zufällig in die Kultur gefallen sind, obwohl sie da gar nichts zu suchen hatten! Steriles Arbeiten ist eine Kunst für sich. Und Nährmedienbestandteile (Füllwörter, Floskeln etc.) gibt es auch noch in Hülle und Fülle. Während des Erntens ist auch noch ein Teil der erwünschten Enzyme kaputtgegangen und schwappt nun denaturiert in der Ziellösung herum (Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, Anschlussfehler). Wird Zeit, dass ich da nochmal mit dem Kamm durchgehe, um die schlimmsten Haare zu entfernen.

Man kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig die Überarbeitung eines Textes für die Manuskriptqualität ist. Selbst wenn man eine gute Idee für den Plot hat, charmante Charaktere und spannende Handlung anbietet, kann das Polishing über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und wenn man Murks produziert hat und das Manuskript nichts taugt, ist auch jetzt der Moment der Wahrheit gekommen, in welchem man sich entscheiden muss: Opfere ich meine Zeit und mache den Text besser oder muss ich so grundlegend eingreifen, dass ich besser noch einmal neu beginne? Ich wünsche allen Autorenkollegen, dass sie niemals bei einem größeren Projekt wie einem kompletten Roman an diesem Punkt ankommen …

Mitunter kann es hilfreich sein, ein Manuskript vor der Überarbeitung beiseitezulegen, um Abstand zu gewinnen. Die »Betriebsblindheit« und die Unfähigkeit, eigene Fehler zu erkennen, nimmt in der Regel ab, wenn ich dem Text Zeit gebe, zu ruhen und zu reifen. Besser wird er nicht von allein, aber meine Chancen, ihn selbst besser zu machen, steigen.

1. Globale Überarbeitung, Text glätten, Inhalte vereinheitlichen

Der erste Schritt für mich ist das Drucken des Textes. Dann bewaffne ich mich mit einem Rotstift und viel Geduld. Es ist ermüdend, eigene Werke wieder und wieder zu lesen, möglichst noch mit größter Aufmerksamkeit, um wirklich lesbare Manuskripte zu erschaffen. Daran vorbei kommt aber niemand. Ich behaupte: Jeder Text muss überarbeitet werden. Niemand schafft es, aus dem Stand immer die optimalen Worte zu treffen. Deswegen geht es bei der ersten Überarbeitungsrunde auch noch nicht um Details wie Rechtschreibung, sondern um Formulierungen. Ich wiederhole an dieser Stelle nicht alle Regeln der Schreibkunst, die man auch in Schreibratgebern finden kann: Wie man treffende Metaphern, ansprechende sprachliche Bilder, gute Dialoge und so weiter erstellt, gehört eher in den künstlerischen als den handwerklichen Bereich, den ich hier abdecken möchte.

Neben Formulierungsfragen suche ich auch nach überflüssigen Textbestandteilen. Schlüsselbegriff hier ist »Show, don’t tell«. All das wird mit Rotstift markiert und wenn möglich mit Alternativen versehen. Ebenfalls wichtig sind Fragen nach größeren Zusammenhängen: Verhalten sich die Figuren glaubwürdig? Sind die Stellen, die Spannung erzeugen sollen, gelungen? Gibt es Anschlussprobleme? Muss ich bei Beschreibungen andere Sinne ansprechen? Gibt es inhaltliche Dopplungen? Ist die Romanprämisse erfüllt, ist der zentrale Konflikt gut ausformuliert, gibt es ausreichend Nebenkonflikte?

2. Deutschlehrer spielen

Zweiter Überarbeitungsschritt ist die ERSTE Rechtschreib- und Grammatikkorrektur. Diese ist noch nicht final. Ich verlasse mich mittlerweile größtenteils auf die Dudenfunktion der Software »Papyrus Autor«. Das ist eine Anschaffung, die ich jedem angehenden Schriftsteller uneingeschränkt empfehlen kann. Und zwar nicht nur wegen der orthografischen Hilfestellung, sondern auch aufgrund der umfangreichen zusätzlichen Funktionen, die es weit über z.B. yWriter oder ein simples Office-Produkt heben.

3. Die Sprache „schön“ machen

Die dritte Runde wendet sich an die stilistische Überarbeitung. Hier kann man auch wunderbar die Funktionen von Papyrus nutzen – die Stilhilfe markiert zu lange Sätze, Füllwörter, Wortwiederholungen und je nach Einstellung sogar jedes einzelne Adjektiv. Auch hier will ich nicht zu tief in das eintauchen, was Schreibratgeber viel besser erklären können als ich. Auf jeden Fall fische ich bei diesem Schritt nochmal eine Menge Mist heraus, der mein finales Produkt sonst verschmutzen würde. Man lernt auf diese Weise sogar einige Eigenheiten kennen, die die eigene Schreibweise kennzeichnen. Bei mir taucht das Wort »einfach« einfach viel zu oft aus, obwohl es inhaltlich überhaupt keine Bedeutung transportiert. Also: Weg damit.

4. Letzte Korrekturen

Die allerletzte Runde ist der letzte Feinschliff. Hier wird nochmal mit der Lupe gesucht, die letzten dass/das-Fehler erschlagen (ein Flüchtigkeitsproblem, das mir leider noch viel zu oft unterläuft), überzählige Leerzeichen entfernt und der Satz korrigiert.

Erst dann ist ein Text »fertig«.

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Eingeordnet unter Uncategorized, Vermischtes zur Weltenfabrik, Weltenbasteln

Das teuerste Zeug der Welt

Ich habe länger nichts nerdiges mehr geschrieben. Nun ist es aber soweit. Gestern traf mich ein Gedankenblitz: Es ist alles so klar, so sichtbar, so unmittelbar verständlich! Aber fangen wir ein bisschen früher an und steigern die Geschichte langsam.

Zuerst: Wer kennt sie nicht, die Galileo-Welt-der-Wunder-Faktastisch-Videos, in denen dem Konsumenten interessante Häppchen von Wissenschafts-Trivia geboten werden. »die Top 10 der schnellsten Tiere der Erde« oder »Die vollständige Liste all der lustigen Unfälle, die es in der Geschichte des Militärs gegeben hat« oder vielleicht sogar »Diese 3 Dinge hast du garantiert nicht erwartet, aber sie geschahen alle, nachdem wir Hitlers Katze rasiert haben.«. Völlig belangloser Scheiß also, mit dem man in Kneipengesprächen wunderbar auftrumpfen kann.

Nun betrachten wir also eine Kategorie dieser Videos mal ein wenig genauer: Es geht um die wertvollste Substanz auf Erden, gemessen im Preis pro kg. »Gold!« werden da einige brüllen, die von Fakten und derartigen Auflistungen bisher verschont geblieben sind, »Diamanten« vielleicht einige derjenigen, die eine Mikrosekunde nachdenken, ehe sie antworten und irgendwas wie »Weltfrieden«, falls jemand zu lange nachgedacht hat. In den Listen finden sich dann zum Beispiel hochreine Drogen wie Kokain oder LSD, manchmal auch exotische Isotope. Im Verlauf der Videos wird man dann mit möglichst ungewöhnlichen Dingen konfrontiert, zum Beispiel Briefmarken, die man, aufs Kilo hochgerechnet, natürlich am besten an der teuersten Marke der Welt festgemacht, auf einen Preis jenseits dessen von Kohlenstoff mit Brillantschliff dotieren kann. Schön sind für mich als Biotechnologen auch die Beispiele von teuren Enzymen wie zum Beispiel Pyrophasphatase, die aufwändig aus Pflanzen gewonnen wird.

Eine Sache will ich ausklammern, weil ich sie nicht gelten lasse: Antimaterie. Die Herstellung ist wahnsinnig teuer und leider derzeit noch vollkommen blödsinnig, weil es keine bekannte Methode gibt, das theoretische Produkt der Synthese anschließend stabil zu lagern.

Nun aber zu meinem Gedankenblitz: Die teuerste Substanz der Welt ist … Trommelwirbel … nichts. Na gut, fast nichts. Ich rede von hochreinem Vakuum. Ich bin jetzt zu faul, konkrete Preise zu recherchieren, fest steht aber folgendes: Weil es umso teurer wird, je sauberer, sprich »leerer«, es ist, desto mehr steigt der Preis pro Kilo ins Exponentielle, je weniger von dem Zeug man hat. Ein Vakuum, bei dem nur noch einzelne Moleküle pro Kubikmeter wirbeln, erzielt garantiert einen irrsinnigen Erlös. Je weniger man hat, desto mehr kostet es. Ich bin so genial.

Nun mein Schlussplädoyer: Erspart uns bitte diese vollkommen hirnlosen Listen, mit denen ihr ohnehin nur Clicks und Werbeeinnahmen generieren wollt. Unser Hirn ist ohnehin schon mit genug Trivia verklebt; wir können uns ja kaum noch auf das Wichtige im Leben konzentrieren: Den Geburtstag von Mutti, die Geheimnummer der Sparkassenkarte oder Weisheiten wie Up Up Down Down Left Right Left Right B A.

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Hörgeschichte: Fang und der Wettlauf von Ollaia

Neue kostenlose Hörgeschichte (damit sind es schon drei):

„Die Weltenfabrik: Fang und der Wettlauf von Ollaia“

Fang und seine Kameraden Âvia, Brommin und Levirok sind in der Welt Ollaia, um den Einschlag eines nahenden Asteroiden zu verhindern. Lässt sich die Heimatwelt der Ollaianer noch retten oder müssen sich die Agenten dem Schicksal geschlagen geben?

(als Download zum Mitnehmen hier: https://archive.org/details/FangUndDerWettlaufVonOllaia)

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April 4, 2017 · 7:43 pm

Die erste Rezension ist da!

Und ich finde, die Weltenfabrik ist dabei ganz gut weggekommen. Ich freu mich ganz irre 🙂 Vielen vielen Dank an Caninus von „Neue Abenter“.

„Wer gerne Geschichten über eigentlich normale und dann besondere Kinder liest oder einfach Spaß am Entdecken von interessant gestalteten Welten hat, kann hier als Erwachsener gut zugreifen. Und auch für Kinder in der entsprechenden Altersklasse „Jugendbuch“ ist der Roman durchaus zu empfehlen.“

Hier gehts zur Rezension.

2 Kommentare

Dezember 29, 2016 · 5:33 pm

Weltenbau, Weltenbasteln: Wie es zur Weltenfabrik kam und was fiktive Welten mir bedeuten Teil 3

Dies wird der vorerst letzte Teil in dieser Reihe, die ich aber gedenke, weiter im Auge zu behalten und bei Gelegenheit zu ergänzen. Ich bin kein Weltenbautheoretiker und habe bereits im ersten Teil einige Links gesetzt, in denen man sich zu dem Thema ausführlicher informieren und austauschen kann. Der zweite Teil beschreibt meinen persönlichen Werdegang als Weltenbauer und wie es dazu kam, dass ich Autor der Weltenfabrik wurde.

Nun aber zu dem Versprechen, dass der Titel macht, welches ich aber noch nicht eingelöst habe: Was bedeutet es mir eigentlich, Weltenbauer zu sein?

Kurz: Alles. Der Weltenbau – und mittlerweile das Schreiben ebenso – ist eine Art Ventil in meinem Kopf, ohne das ich wohl platzen müsste. Phantasie ist für mich eine Macht, die ungeheure kreative Energien freisetzt und dabei ohne Rücksicht auf Verluste Dinge, Orte, Wesen und Geschichten erschafft, völlig unabhängig davon, ob in einem Gehirn eigentlich noch andere Dinge Platz finden sollten oder nicht. Und wie ich bereits beschrieben habe: Diese Macht verschafft sich Raum – ohne Rücksicht auf Verluste. Tagträume sind da noch das kleinste Problem, die hinterlassen in der Regel kaum Spuren. Aber gezeichnete Karten, erfundene Völker samt ihrer Helden, Leidensgeschichten oder seltsamen Eigenheiten, eine komplexe fremdartige Flora und Fauna, die ineinandergreifen wie ein Uhrwerk und letztlich dazu dienen, epische Geschichten aufzuspannen oder winzig kleinen Miniaturen und Kammerstücken im Alltag erfundener Personen zu erzählen – die sorgen dafür, dass man, wenn man sie ausgerechnet auf der Schulbank aufschreibt, zeichnet oder mit einer kleinen Armee von Stiften, Tintenpatronen und Zettelchen nachspielt, doch einiges an Unordnung produziert. Vor allem auf dem Zeugnis.

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