Archiv der Kategorie: Vermischtes zur Weltenfabrik

Mein Schreibprozess: Überarbeitung, Polishing

Den Begriff »Polishing« klaue ich aus meinem früheren Leben. Ursprünglich bedeutet er für einen Biotechnologen, sein Produkt zu veredeln, zum finalen Punkt zu reinigen. Wenn man zum Beispiel einen Mikroorganismus oder ein Enzym aus einer Kultur erntet, erhält man in den ersten Schritten meist ein stark verunreinigtes Ergebnis. Nährmedienbestandteile, Nebenprodukte, Abfallprodukte und unter Umständen sogar Chemikalien, die verwendet wurden, um unerwünschte Teile abzutrennen schwimmen noch immer in der Lösung herum und verringern dadurch den Reinheitsgrad. Je mehr man sich einem hochreinen Finale annähert, desto besser. Nicht nur, weil sich das Produkt dann möglichst vorhersagbar verhält, meist ist es auch länger lagerbar, stabiler, erzielt bessere Effizienz bei der Biokatalyse etc.

Hoppla. Erneut bin ich vom eigentlichen Thema abgewichen und habe mich in ein Gebiet hineinegschrieben, das mit der ursprünglichen Intention dieses Textes herzlich wenig zu tun hat. Was nun? Wie im zweiten Teil beschrieben, lasse ich es erstmal stehen und widme mich dem Fortsetzen meines Manuskriptes. Oberstes Ziel beim Weiterschreiben war: Weiterschreiben. Und bestenfalls: Fertig werden.

Revision: Notwendiges Elend

Nun aber stellen wir uns vor, ich wäre an diesem Punkt angekommen und werfe noch einmal einen Blick über das bisherige Ergebnis: Oh weia. Da schwimmen noch Hefen (themenfremde Inhalte, Abschweifungen) herum, die zufällig in die Kultur gefallen sind, obwohl sie da gar nichts zu suchen hatten! Steriles Arbeiten ist eine Kunst für sich. Und Nährmedienbestandteile (Füllwörter, Floskeln etc.) gibt es auch noch in Hülle und Fülle. Während des Erntens ist auch noch ein Teil der erwünschten Enzyme kaputtgegangen und schwappt nun denaturiert in der Ziellösung herum (Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, Anschlussfehler). Wird Zeit, dass ich da nochmal mit dem Kamm durchgehe, um die schlimmsten Haare zu entfernen.

Man kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig die Überarbeitung eines Textes für die Manuskriptqualität ist. Selbst wenn man eine gute Idee für den Plot hat, charmante Charaktere und spannende Handlung anbietet, kann das Polishing über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und wenn man Murks produziert hat und das Manuskript nichts taugt, ist auch jetzt der Moment der Wahrheit gekommen, in welchem man sich entscheiden muss: Opfere ich meine Zeit und mache den Text besser oder muss ich so grundlegend eingreifen, dass ich besser noch einmal neu beginne? Ich wünsche allen Autorenkollegen, dass sie niemals bei einem größeren Projekt wie einem kompletten Roman an diesem Punkt ankommen …

Mitunter kann es hilfreich sein, ein Manuskript vor der Überarbeitung beiseitezulegen, um Abstand zu gewinnen. Die »Betriebsblindheit« und die Unfähigkeit, eigene Fehler zu erkennen, nimmt in der Regel ab, wenn ich dem Text Zeit gebe, zu ruhen und zu reifen. Besser wird er nicht von allein, aber meine Chancen, ihn selbst besser zu machen, steigen.

1. Globale Überarbeitung, Text glätten, Inhalte vereinheitlichen

Der erste Schritt für mich ist das Drucken des Textes. Dann bewaffne ich mich mit einem Rotstift und viel Geduld. Es ist ermüdend, eigene Werke wieder und wieder zu lesen, möglichst noch mit größter Aufmerksamkeit, um wirklich lesbare Manuskripte zu erschaffen. Daran vorbei kommt aber niemand. Ich behaupte: Jeder Text muss überarbeitet werden. Niemand schafft es, aus dem Stand immer die optimalen Worte zu treffen. Deswegen geht es bei der ersten Überarbeitungsrunde auch noch nicht um Details wie Rechtschreibung, sondern um Formulierungen. Ich wiederhole an dieser Stelle nicht alle Regeln der Schreibkunst, die man auch in Schreibratgebern finden kann: Wie man treffende Metaphern, ansprechende sprachliche Bilder, gute Dialoge und so weiter erstellt, gehört eher in den künstlerischen als den handwerklichen Bereich, den ich hier abdecken möchte.

Neben Formulierungsfragen suche ich auch nach überflüssigen Textbestandteilen. Schlüsselbegriff hier ist »Show, don’t tell«. All das wird mit Rotstift markiert und wenn möglich mit Alternativen versehen. Ebenfalls wichtig sind Fragen nach größeren Zusammenhängen: Verhalten sich die Figuren glaubwürdig? Sind die Stellen, die Spannung erzeugen sollen, gelungen? Gibt es Anschlussprobleme? Muss ich bei Beschreibungen andere Sinne ansprechen? Gibt es inhaltliche Dopplungen? Ist die Romanprämisse erfüllt, ist der zentrale Konflikt gut ausformuliert, gibt es ausreichend Nebenkonflikte?

2. Deutschlehrer spielen

Zweiter Überarbeitungsschritt ist die ERSTE Rechtschreib- und Grammatikkorrektur. Diese ist noch nicht final. Ich verlasse mich mittlerweile größtenteils auf die Dudenfunktion der Software »Papyrus Autor«. Das ist eine Anschaffung, die ich jedem angehenden Schriftsteller uneingeschränkt empfehlen kann. Und zwar nicht nur wegen der orthografischen Hilfestellung, sondern auch aufgrund der umfangreichen zusätzlichen Funktionen, die es weit über z.B. yWriter oder ein simples Office-Produkt heben.

3. Die Sprache „schön“ machen

Die dritte Runde wendet sich an die stilistische Überarbeitung. Hier kann man auch wunderbar die Funktionen von Papyrus nutzen – die Stilhilfe markiert zu lange Sätze, Füllwörter, Wortwiederholungen und je nach Einstellung sogar jedes einzelne Adjektiv. Auch hier will ich nicht zu tief in das eintauchen, was Schreibratgeber viel besser erklären können als ich. Auf jeden Fall fische ich bei diesem Schritt nochmal eine Menge Mist heraus, der mein finales Produkt sonst verschmutzen würde. Man lernt auf diese Weise sogar einige Eigenheiten kennen, die die eigene Schreibweise kennzeichnen. Bei mir taucht das Wort »einfach« einfach viel zu oft aus, obwohl es inhaltlich überhaupt keine Bedeutung transportiert. Also: Weg damit.

4. Letzte Korrekturen

Die allerletzte Runde ist der letzte Feinschliff. Hier wird nochmal mit der Lupe gesucht, die letzten dass/das-Fehler erschlagen (ein Flüchtigkeitsproblem, das mir leider noch viel zu oft unterläuft), überzählige Leerzeichen entfernt und der Satz korrigiert.

Erst dann ist ein Text »fertig«.

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Mein Schreibprozess: Weiterschreiben

Im vorangegangenen Artikel habe ich beschrieben, wie ich mich auf das Schreiben vorbereite und wie ich einen Text beginne. Nun ist der Anfang der wahrscheinlich unkritischste Teil der Schreibarbeit. Viel mehr Autoren scheitern an dem Punkt, den ich diesmal betrachten möchte: Dem Weitermachen.

Schreiben, Schreiben, Schreiben – und NICHT an den Leser denken

Es hilft nichts, ein großer Teil der Arbeit eines Schriftstellers ist hakelige Fleißarbeit. Die großen kreativen Fragen sind geklärt, die Figuren stehen fest, man weiß, wohin die Reise gehen soll . Nun muss man dieses Gerüst nur noch mit Leben und kleinteiliger Handlung füllen. Der große Knackpunkt hier ist Schreibdisziplin. Wenn man sich nicht jeden Tag hinsetzt und das entstehende Manuskript fortführt, passiert einfach nichts. Ein Text ist kein Käse, er reift nicht von selbst. Eher ist er ein Stück Ton, der solange bearbeitet werden kann, wenn er noch frisch ist. Sobald die Masse austrocknet, wird sie spröde und das Töpfern macht keinen Spaß mehr. Irgendwann bleibt nur ein Haufen bröckeligen Drecks übrig, mit dem man kaum etwas anfangen kann.

Um bei der Metapher zu bleiben: Im ersten Teil haben wir eine Skizze angefertigt, was am Ende herauskommen soll. Und wir haben ein stück Ton ausgewählt und ganz grob in die Form gebracht, die wir haben wollen. Schüssel, Tasse, Skulptur – das wurde bereits festgelegt. Nun müssen wir die mühselige Arbeit betreiben, Die Oberfläche zu glätten, ein Relief anzufertigen, der Skulptur eine Pose und einen Gesichtsausdruck zu verleihen. Ich strapaziere dieses Bild so ausführlich, weil ich betonen MUSS, wie wichtig es ist, jetzt am Ball zu bleiben.

Mir persönlich hilft ein straffer Plan: Sechs Tage in der Woche bemühe ich mich, 2000 oder mehr Wörter pro Tag zu schreiben. Ich habe Zeit, da keinen anderen Job, also kann mein Zielvolumen so hoch gesteckt sein. Wer weniger Zeit hat, setzt sich geringere Ziele, aber ich empfehle dringend, in der Woche häufiger einen Schreibtag zu planen als keinen solchen zu setzen. Schreibdisziplin ist vor allem eine Frage der Gewohnheit und der Regelmäßigkeit. Außerdem ist für mich persönlich die Entscheidung gefallen, dass ich den Text nicht verändere, bis ich am Ende angekommen bin. Ich überarbeite keine Kapitel während der reinen Schreibphase. Auf diese Weise fokussiere ich mich auf das Vorwärtskommen.

Das Notizbuch bleibt ständiger Begleiter

Sollten sich Kontinuitätsfehler andeuten oder die Notwendigkeit bestehen, Handlungselemente, die ich einbringe, vorher auftauchen zu lassen (Foreshadowing etc.), hilft mir wieder mein Notizbuch. Dieses ist auch während der eigentlich Schreibphase ständig dabei, weil ich festhalte, inwiefern ich vom Plan abweiche, wie sich Figuren verändern, wo ich Dinge einfüge und bereits während des Schreibens streiche. Außerdem bietet es mir ständige Erinnerung, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Oftmals bin ich versucht, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen und den Protagonisten einfach beim Arbeiten zuzusehen. Das hilft mir aber nicht immer, mein Ziel zu erreichen. Wenn die Figuren störrisch sind, ist es meine Aufgabe als Schriftsteller, ihnen Gründe zu liefern, warum sie sich doch in die gewünschte Richtung entwickeln sollen. Aus diesem Grund muss ich wachsam bleiben und ständig beobachten, ob der Fahrplan eingehalten wird.

Selbstverständlich liegt es auch in meiner Freiheit, den Fahrplan während des Schreibens zu ändern. Aber wann ich die eine Methode wähle und wann die andere vorziehe, kann ich nicht wirklich begründen. Ich habe es im Gefühl. Und ich denke, die meisten anderen Autoren können ebenfalls entscheiden, wo sie dem Text die Freiheit lassen, sich frei zu entfalten und wann sie ihm Zügel anlegen. Schließlich ist es ihr Produkt. Sie wissen am besten, wie es am Ende aussehen soll.

Wie groß soll es denn werden?

Meist weiß ich neben der eigentlichen Handlung auch, welchen Umfang ich in einem Manuskript anstrebe. Bisher hat das ganz gut geklappt – 5% Abweichung sind völlig okay. Erstaunlicherweise bin ich diszipliniert genug, große Abschweifungen zu unterlassen oder Stellen, bei denen es biss zum nächsten Meilenstein noch fehlt, zu strecken. Inwiefern das Produkt darunter leidet oder nicht, müssen meine Kritiker entscheiden. Was jedoch festgestellt werden muss: Meistens ist der Text in der ursprünglichsten Fassung etwas kürzer als das finale Produkt nach allen Überarbeitungen.

Wie ich mit der ersten Rohfassung umgehe, was ich noch einbaue, streiche und verbessere, das erkläre ich im nächsten Teil dieser Miniserie.

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Mein Schreibprozess: Vorbereitung, einen Anfang finden

Diese Artikelreihe entsteht zum Zwecke des Durchatmens, weil ich einen großen Meilenstein geschafft habe: Die Überarbeitung des zweiten Manuskriptes ist abgeschlossen. Der Zorn der Herrin steht in den Startlöchern.

Wie sieht der Ablauf aus, an dessen Ende hoffentlich ein fertiges Buchmanuskript steht? Bei mir zumindest beginnt er schon lange vor dem eigentlichen Schreiben. Mein wichtigstes Werkzeug – ich kann es gar nicht oft genug betonen – ist ein Notizbuch. Und weil ich kein vorgefertigtes Produkt mit Hochglanzcover nutzen wollte – möglichste edel, damit auch jeder weiß, wie wichtig mir meine geistigen Kurzschlüsse sind – habe ich mir selbst eins gebaut.

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Autoreninterview mit Christoph Dolge

Ich habe das Glück, ein wenig direkten Zugriff auf meine Zielgruppe zu haben. So stellt eine Bekannte, die derzeit die 6. Klasse besucht, demnächst den ersten Band der Weltenfabrik in ihrer Schule vor. Unter anderem hat sie sich von mir gewünscht, dass sie ein kleines Interview mit mir führen darf. Dem bin ich mit Freuden nachgekommen. Und da ich ein wenig Schreibschmalz in die Antworten investiert habe, denke ich, werde ich sie mit euch teilen:

Autoren-Interview mit Christoph Dolge

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zu schreiben?

Ich habe zwei Söhne. Denen habe ich viel und gern vorgelesen. Außerdem ist es schon eine kleine Familientradition, selbst ausgedachte Gute-Nacht-Geschichten zu erzählen. Der Hase »Mümmelmann«, der in seinen Abenteuern gegen Räuber, Umweltverschmutzung oder auch mal eine fiese Hexe kämpft, stand immer hoch im Kurs. Irgendwann dachte ich: Es wäre schön, ihnen auch Geschichten vorlesen zu können, die ich selbst geschrieben habe, in die ich mehr Zeit und Arbeit investiert habe als die fünf Minuten, die ich abends brauche, um mir den neuesten Trick des gewitzten Karnickels aus den Fingern zu saugen. Also habe ich angefangen, die Weltenfabrik zu entwerfen – durch die unendliche Vielzahl von Universen ist dort sicher gestellt, dass mir nie die Ideen für neue Abenteuer ausgehen.

2. Ist die Geschichte am Ende so geworden, wie sie am Anfang geplant war?

Ja und Nein. Ich meine – am Ende gewinnt das Gute, ich denke, soviel darf ich verraten. Aber wie es gewinnt, wie sich die Umstände entwickeln und was sich die Kontrahenten im letzten Konflikt zu sagen haben, das hat sich erst entwickelt, während ich das Buch geschrieben habe. Am Anfang hatte ich eine grobe Idee, ein paar Entwürfe für die Fabrik, die Welten und die Figuren. Aber auf der Reise zum Ende der Geschichte lerne ich meine Schöpfung auch besser kennen – ich bin da ganz wie die Erbauer der Weltenfabrik. Ich erschaffe phantastische Dinge und Wesen und kann trotzdem total gespannt darauf sein, wie sie sich verhalten.

3. Sind noch andere Bücher zur Weltenfabrik geplant? Wenn ja, welche?

Ja. Im Moment schreibe ich an »Jan Lux und der Zorn der Herrin« und mindestens ein weiteres Buch soll es noch geben. Ich will eine Art Grundstock schreiben, von dem ausgehend die Weltenfabrik selbst recht gut definiert ist, der aber ermöglicht, dass sich Leser eigene Welten ausdenken, eigene Figuren und eigene Geschichten entdecken. Wenn ich dann noch Lust habe, kann natürlich noch mehr kommen. Vielleicht mit anderen Hauptfiguren. Zwei Kurzgeschichten mit Fang in der Hauptrolle gibt es schon.

4. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Die Weltenfabrik ist auf jeden Fall ein wichtiger Pfeiler meiner zukünftigen Arbeit. Allerdings habe ich noch ein weiteres Projekt, dass derzeit in der Schreibtischschublade ruht: Da soll es um Labormäuse gehen, die ein Krankenhaus übernehmen, nachdem die Menschen verschwunden sind. Vermutlich ist das aber eher eine Geschichte für Erwachsene.

5. Welche Figur aus der Weltenfabrik mögen Sie am meisten?

Ich habe keinen einsamen Favoriten, aber ich kann drei Lieblinge verraten: Fang, Nadir und Brommin, ohne bestimmte Reihenfolge. Fang ist meiner Meinung nach ein guter Lehrer: Er ist verdammt streng, aber er weiß auch, was er von seinen Schülern erwarten kann. Er bringt sie an ihre Grenzen, zeigt ihnen damit aber auch, was alles in ihnen steckt. Nadir ist ein absolut treuer Freund, ein starker und cooler Kumpel, zu dem man mit jedem Problem kommen kann. Er hat ein Gespür dafür, was die Menschen um ihn herum bewegt, was sie brauchen. Und Brommin? Ich finde einfach die Vorstellung sehr lustig, wie dieser sich auf Stummelbeinen durch seine Kräuterstube schiebt, mit jedem seiner sechs Arme nach irgendeiner Medizin, einem Untersuchungswerkzeug oder einem Buch greift und dich gleichzeitig fragt: »Was fehlt dir denn?«, um hinterher mit der Zunge zu schnalzen, weil du wieder so doof warst, dir irgendeine Verletzung einzuhandeln.

6. Wie sind Ihnen die Ideen zu dem Buch gekommen?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage überhaupt, die man einem Autoren stellen kann. Es gibt zwei Ebenen – das eine ist der eher abstrakte Teil, in dem es um den Aufbau des Buches geht. Welche Funktion hat welche Figur, in welcher Reihenfolge werden welche Welten besucht, wie stelle ich die Protagonisten vor, kommt der Antagonist (der Schatten der Herrin) auch zu Wort oder ist er eine ferne Bedrohung? All das lernt man am besten, in dem man andere Bücher liest. Zu diesen Fragen haben andere Autoren schon eine Riesenzahl von Antworten gefunden, bei denen man sich bedienen kann, von denen man lernt und die man irgendwann auch variiert und um eigene Einfälle erweitert. Die andere Ebene ist die der reinen Phantastik: Wie sieht eine fremde Welt aus? Was für Bewohner hat die Weltenfabrik? Welche Sprache sprechen sie? Was sind die Begabungen der Agenten und welche Macht haben die Erbauer? Woher kommt der Schatten und warum ist er darauf aus, die Erde zu zerstören? Ich denke, jeder Mensch hat in seinem Kopf eine Quelle für diese Ideen, aber bei manchen tröpfelt es eher und bei manchen fließt ein großer breiter Strom der Phantasie. Ich glaube manchmal, bei mir ist das Ventil, dass diesen Strom regelt, kaputt: Mir kommen ständig und überall Ideen, in den blödesten Situationen. Meine Aufgabe ist eigentlich weniger, mir phantastische Elemente auszudenken, sondern aus dem Brunnen zu schöpfen und die guten von den schlechten Einfällen zu trennen.

7. In welcher Umgebung schreiben Sie am liebsten?

Die Geschichten selbst schreibe ich ganz profan am Computer. Das ist nicht sonderlich bequem und ich habe meinen Schreibtisch auch nicht besonders eingerichtet. Wenn ich statt Büchern Buchhaltungsberichte verfassen würde, gäbe es vermutlich keinen nennenswerten Unterschied. Was für mich aber ganz wichtig ist, ist das Notizbuch, in dem ich überall sonst, wenn ich keine Tastatur habe, meine Ideen festhalte. Manchmal kommt mir ein Gedanke, eine Dialogzeile, ein Detail für eine Figur oder ein kompletter Buchentwurf und es ist dann wichtig, das so schnell wie möglich zu Papier zu bringen. Deswegen ist mein wichtigstes Werkzeug eigentlich immer noch Stift und Notizbuch. Ich habe mir sogar die Arbeit gemacht, es selbst zu binden, mit weichem Leder, damit es angenehm in der Hand liegt.

8. Sind die Figuren einfach so entstanden oder gibt es Menschen, denen Sie diese Figuren zuordnen können?

Meine Figuren entstehen auf zwei Wegen: Zuerst ist wichtig, welche Funktion sie für die Geschichte erfüllen sollen. Welche Gefühle sollen sie beim Leser wecken – soll er sie mögen oder nicht? Sollen sie vielleicht Vorbildfunktion haben oder ein schlechtes Beispiel geben? Bei der Weltenfabrik habe ich mich bemüht, mit Jan eine bunte Mischung aus Mitstreitern auf den Weg zu schicken, die aus verschiedenen Ecken der Erde kommen und eine ganz unterschiedliche Sicht auf Probleme mitbringen. Leider kenne ich keine südamerikanischen Ureinwohner oder Chinesen persönlich. Aber die Details, was einen Menschen sympathisch macht oder was mich denken lässt: »Was für ein fieser Kerl!«, die schaue ich mir selbstverständlich bei den Leuten aus meiner Umgebung ab. Wer das genau ist, verrate ich aber nicht.

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Weitere Rezi: Verenas Welt

Ich habe eine Buchempfehlung auf dem Blog „Verenas Welt“ für die Weltenfabrik erhalten. Ich freue mich, dass langsam die Rezensionen eintrudeln, für die ich vor einiger Zeit Testexemplare verschickt habe. Dies ist eine davon:
 

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Februar 1, 2017 · 4:11 pm

Die Weltenfabrik und Sandersons Gesetze der Magie: Second law of magic

Bei diesem Beitrag handelt es sich um den zweiten Teil einer Artikelserie. Hier geht es zum ersten Artikel (Sandersons first law).

 

Brandon Sanderson hat natürlich noch weitere Gesetze formuliert – hier widme ich mich nun dem Zweiten Gesetz der Magie.

Sanderson’s Second Law can be written very simply. It goes like this: Limitations > Powers

(Sandersons zweites Gesetz kann sehr simpel formuliert werden. Es lautet: Begrenzungen > Kräfte)“

Mit dieser Formulierung bin ich ein bisschen unzufrieden. Es wäre doch irgendwie schöner gewesen, wenn Sanderson seinem Stil treu geblieben wäre und es in etwa so formuliert hätte: Die Anwendungsmöglichkeiten magischer Kräfte sind weniger wichtig als ihre Einschränkungen. Im Vordergrund der Geschichte stehen die Schwierigkeiten, die ihre Charaktere haben und nicht die Stellen, wo ihnen Dinge problemlos gelingen. Damit wäre auch die Stoßrichtung dieses Gesetzes wesentlich eindeutiger gewesen.

Nun sind aber Beschränkungen natürlich nur in Zusammenhang zu Kräften formulierbar. Rein exkludierend lässt sich kein stringentes Magiesystem entwickeln. Wo landet man, wenn man nur erklärt: „Magier können nicht fliegen, nicht durch die Zeit reisen und keine Toten wiedererwecken“? Eine gute Beschränkung enthält immer auch ein Stück Foreshadowing und ermöglicht es, gezielt auf einen Konflikt hinzuarbeiten, in dem sie einmal zur Anwendung kommt. Das erste Gesetz trägt also auch weiterhin zur Glaubwürdigkeit der magischen Konflikte und Konfliktlösung bei.

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Die Weltenfabrik und Sandersons Gesetze der Magie: First law of magic

Da auch in der Weltenfabrik Magie verwendet wird, ist der folgende Essay für mich sehr interessant. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie man Magie als Autor einsetzt und welche Funktionen sie für die Geschichte einnehmen kann/ darf.

Sandersons First Law

An author’s ability to solve conflict with magic is directly proportional to how well the reader understands said magic.

(Die Fähigkeit eines Autoren, Konflikte mit Magie zu lösen, ist direkt proportional dazu, wie gut der Leser diese Magie versteht)

Darin steckt vor allem eine Grundannahme, die Sanderson vehement vertritt: Magie braucht Regeln. Diese Regeln legen eine Art Vertrag zwischen Autor und Leser fest, nämlich, dass der Leser, sobald er versteht, wie Magie funktioniert, nicht mehr mit extravagant ungewöhnlichen Anwendungen oder Regelbrüchen konfrontiert werden darf. Dies bricht sonst die Suspension of Disbelief, also den Willen des Lesers, sich auf die phantastische Welt des Autoren einzulassen und auch „Magie“ für „glaubwürdig“ im Rahmen der Geschichte zu akzeptieren. So verkommt die Anwendung von Magie zur Problemlösung zum Deus ex machina, zum Maschinengott, über den sich bereits antike Dramatiker lustig gemacht haben.

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