Übung: Wir schreiben eine Schneeflocken-Story II (+ Mini-Rezi der Schreibratgeber von Ingermanson)

Im ersten Artikel habe ich erklärt, wie die Schneeflockenmethode funktioniert und erste Erfahrungen vorgestellt. Mittlerweile habe ich das Buch von Ingermanson gelesen. Zuerst also eine kleine Rezension dazu.

Buch 1

Bluaaaargh. Bluaaaaaaaaaargh. Sorry, das musste raus. Ingermanson hält sich leider für sehr clever. Sein didaktischer Kniff: Er erklärt die Schneeflocken-Methode nicht direkt, sondern bettet sie in eine Geschichte ein, die mit der Schneeflocken-Methode geschrieben wurde. Soweit so … okay. Doch warum in allen Namen der dreizehn Höllen musste er dazu die Figuren „Goldlöckchen“, „großer böser Wolf“, „Papa Bär“, „Mama Bär“, „Baby Bär“ und „kleines Schweinchen“ nehmen und diese auf einer Schreibkonferenz aufeinandertreffen lassen? Noch dazu in einer Sprache und Schreibweise, die dem Leser in erster Linie klarmacht, wie blöd er ist. Wenn Ingermanson sich und den Lesern etwas mehr Poesie und Kreativität zugetraut hätte, wäre es (für mich) wesentlich angenehmer lesbar gewesen. Das führt dazu, dass die Methode unter der Story begraben ist. Zwar lässt er Goldlöckchen stellvertretend für den Leser durch Baby Bär alles haarklein erklären – in sich schlüssig und nachvollziehbar – aber eine klarere Ansprache ohne diese Mätzchen wäre angenehmer gewesen. Am Ende folgt noch einmal eine Darstellung der einzelnen Schritte und – vielleicht für den einen oder anderen lehrreich und spannend zu lesen (ich habe das entnervt aufgegeben) der komplette Schneeflockenprozess für den Entwurf der Goldlöckchen-Story. Seufz

Buch 2

Sein zweites Buch „How to Write a Dynamite Scene using the Snowflake Method“ kommt ohne derartige Story daher und erklärt anhand von Szenen aus „The Hunger Games“, „Outlander“ und „The Godfather“ (jeweils aus den Büchern, nicht den Verfilmungen) wie Szenen funktionieren, teilt sie in proaktive und reaktive Szenen ein und erläutert die Charaktere und ihre Konflikte innerhalb der Szenen. Das Ganze ist rasch weggelesen und sehr anschaulich, wenn auch ein wenig repetitiv geschrieben. Für manche ist das Prinzip eventuell auch zu einengend – ich empfehle eher „Spannung – der Unterleib der Literatur: Schreibratgeber“ von H. P. Röntgen.

Insgesamt würde ich zu den Büchern sagen: Kann, aber nicht muss.

Verlauf der Schreibübung

Wie ist das Experiment nun ansonsten fortgeschritten? Ich habe meinen Entwurf für die Kurzgeschichte fertig geschrieben. Für eine Story von ungefähr 6000 Wörtern (so das Ziel) habe ich nun eine Zusammenfassung von 560 Wörtern geschrieben. Für einen Roman müsste ich allerdings deutlich mehr vorbereiten: Das wird einfach durch Wiederholungen der letzten Schritte erreicht, in denen man Charaktere und Handlungszusammenfassung immer mehr erweitert.
Im Fantasy- und SciFi-Bereich empfiehlt es sich, zusätzlich Notizen zum Setting anzulegen, um dessen Regeln und Mechanismen stringent festzulegen. Weltenbau im klassischen Sinne ist für die Schneeflockenmethode nicht unbedingt notwendig, je nach Genre aber zumindest in Ansätzen empfehlenswert.

Nun mache ich mich ans Ausformulieren der Kurzgeschichte. Laut Ingermanson soll man sich durch die Vorbereitung idealerweise einiges an Plotholes etc. ersparen, weil dies beim Abgleich der Motivation/ Ziele/ Ideale der Charakter mit dem Handlungsverlauf und seinen Konflikten früher auffällt. Er empfiehlt, notfalls auch in den Schritten der Methode zurückzuspringen und Anpassungen vorzunehmen, falls nötig. Auf diese Weise korrigiert man in der Zusammenfassung einige Zeilen anstatt dann in der fertigen Geschichte ganze Szenen neu schreiben zu müssen.

Ich bin gespannt, wie das klappt und werde die fertige Geschichte hier natürlich vorstellen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s