Mein Schreibprozess: Weiterschreiben

Im vorangegangenen Artikel habe ich beschrieben, wie ich mich auf das Schreiben vorbereite und wie ich einen Text beginne. Nun ist der Anfang der wahrscheinlich unkritischste Teil der Schreibarbeit. Viel mehr Autoren scheitern an dem Punkt, den ich diesmal betrachten möchte: Dem Weitermachen.

Schreiben, Schreiben, Schreiben – und NICHT an den Leser denken

Es hilft nichts, ein großer Teil der Arbeit eines Schriftstellers ist hakelige Fleißarbeit. Die großen kreativen Fragen sind geklärt, die Figuren stehen fest, man weiß, wohin die Reise gehen soll . Nun muss man dieses Gerüst nur noch mit Leben und kleinteiliger Handlung füllen. Der große Knackpunkt hier ist Schreibdisziplin. Wenn man sich nicht jeden Tag hinsetzt und das entstehende Manuskript fortführt, passiert einfach nichts. Ein Text ist kein Käse, er reift nicht von selbst. Eher ist er ein Stück Ton, der solange bearbeitet werden kann, wenn er noch frisch ist. Sobald die Masse austrocknet, wird sie spröde und das Töpfern macht keinen Spaß mehr. Irgendwann bleibt nur ein Haufen bröckeligen Drecks übrig, mit dem man kaum etwas anfangen kann.

Um bei der Metapher zu bleiben: Im ersten Teil haben wir eine Skizze angefertigt, was am Ende herauskommen soll. Und wir haben ein stück Ton ausgewählt und ganz grob in die Form gebracht, die wir haben wollen. Schüssel, Tasse, Skulptur – das wurde bereits festgelegt. Nun müssen wir die mühselige Arbeit betreiben, Die Oberfläche zu glätten, ein Relief anzufertigen, der Skulptur eine Pose und einen Gesichtsausdruck zu verleihen. Ich strapaziere dieses Bild so ausführlich, weil ich betonen MUSS, wie wichtig es ist, jetzt am Ball zu bleiben.

Mir persönlich hilft ein straffer Plan: Sechs Tage in der Woche bemühe ich mich, 2000 oder mehr Wörter pro Tag zu schreiben. Ich habe Zeit, da keinen anderen Job, also kann mein Zielvolumen so hoch gesteckt sein. Wer weniger Zeit hat, setzt sich geringere Ziele, aber ich empfehle dringend, in der Woche häufiger einen Schreibtag zu planen als keinen solchen zu setzen. Schreibdisziplin ist vor allem eine Frage der Gewohnheit und der Regelmäßigkeit. Außerdem ist für mich persönlich die Entscheidung gefallen, dass ich den Text nicht verändere, bis ich am Ende angekommen bin. Ich überarbeite keine Kapitel während der reinen Schreibphase. Auf diese Weise fokussiere ich mich auf das Vorwärtskommen.

Das Notizbuch bleibt ständiger Begleiter

Sollten sich Kontinuitätsfehler andeuten oder die Notwendigkeit bestehen, Handlungselemente, die ich einbringe, vorher auftauchen zu lassen (Foreshadowing etc.), hilft mir wieder mein Notizbuch. Dieses ist auch während der eigentlich Schreibphase ständig dabei, weil ich festhalte, inwiefern ich vom Plan abweiche, wie sich Figuren verändern, wo ich Dinge einfüge und bereits während des Schreibens streiche. Außerdem bietet es mir ständige Erinnerung, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Oftmals bin ich versucht, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen und den Protagonisten einfach beim Arbeiten zuzusehen. Das hilft mir aber nicht immer, mein Ziel zu erreichen. Wenn die Figuren störrisch sind, ist es meine Aufgabe als Schriftsteller, ihnen Gründe zu liefern, warum sie sich doch in die gewünschte Richtung entwickeln sollen. Aus diesem Grund muss ich wachsam bleiben und ständig beobachten, ob der Fahrplan eingehalten wird.

Selbstverständlich liegt es auch in meiner Freiheit, den Fahrplan während des Schreibens zu ändern. Aber wann ich die eine Methode wähle und wann die andere vorziehe, kann ich nicht wirklich begründen. Ich habe es im Gefühl. Und ich denke, die meisten anderen Autoren können ebenfalls entscheiden, wo sie dem Text die Freiheit lassen, sich frei zu entfalten und wann sie ihm Zügel anlegen. Schließlich ist es ihr Produkt. Sie wissen am besten, wie es am Ende aussehen soll.

Wie groß soll es denn werden?

Meist weiß ich neben der eigentlichen Handlung auch, welchen Umfang ich in einem Manuskript anstrebe. Bisher hat das ganz gut geklappt – 5% Abweichung sind völlig okay. Erstaunlicherweise bin ich diszipliniert genug, große Abschweifungen zu unterlassen oder Stellen, bei denen es biss zum nächsten Meilenstein noch fehlt, zu strecken. Inwiefern das Produkt darunter leidet oder nicht, müssen meine Kritiker entscheiden. Was jedoch festgestellt werden muss: Meistens ist der Text in der ursprünglichsten Fassung etwas kürzer als das finale Produkt nach allen Überarbeitungen.

Wie ich mit der ersten Rohfassung umgehe, was ich noch einbaue, streiche und verbessere, das erkläre ich im nächsten Teil dieser Miniserie.

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Eingeordnet unter Vermischtes zur Weltenfabrik, Weltenbasteln

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