Autoreninterview mit Christoph Dolge

Ich habe das Glück, ein wenig direkten Zugriff auf meine Zielgruppe zu haben. So stellt eine Bekannte, die derzeit die 6. Klasse besucht, demnächst den ersten Band der Weltenfabrik in ihrer Schule vor. Unter anderem hat sie sich von mir gewünscht, dass sie ein kleines Interview mit mir führen darf. Dem bin ich mit Freuden nachgekommen. Und da ich ein wenig Schreibschmalz in die Antworten investiert habe, denke ich, werde ich sie mit euch teilen:

Autoren-Interview mit Christoph Dolge

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Bücher zu schreiben?

Ich habe zwei Söhne. Denen habe ich viel und gern vorgelesen. Außerdem ist es schon eine kleine Familientradition, selbst ausgedachte Gute-Nacht-Geschichten zu erzählen. Der Hase »Mümmelmann«, der in seinen Abenteuern gegen Räuber, Umweltverschmutzung oder auch mal eine fiese Hexe kämpft, stand immer hoch im Kurs. Irgendwann dachte ich: Es wäre schön, ihnen auch Geschichten vorlesen zu können, die ich selbst geschrieben habe, in die ich mehr Zeit und Arbeit investiert habe als die fünf Minuten, die ich abends brauche, um mir den neuesten Trick des gewitzten Karnickels aus den Fingern zu saugen. Also habe ich angefangen, die Weltenfabrik zu entwerfen – durch die unendliche Vielzahl von Universen ist dort sicher gestellt, dass mir nie die Ideen für neue Abenteuer ausgehen.

2. Ist die Geschichte am Ende so geworden, wie sie am Anfang geplant war?

Ja und Nein. Ich meine – am Ende gewinnt das Gute, ich denke, soviel darf ich verraten. Aber wie es gewinnt, wie sich die Umstände entwickeln und was sich die Kontrahenten im letzten Konflikt zu sagen haben, das hat sich erst entwickelt, während ich das Buch geschrieben habe. Am Anfang hatte ich eine grobe Idee, ein paar Entwürfe für die Fabrik, die Welten und die Figuren. Aber auf der Reise zum Ende der Geschichte lerne ich meine Schöpfung auch besser kennen – ich bin da ganz wie die Erbauer der Weltenfabrik. Ich erschaffe phantastische Dinge und Wesen und kann trotzdem total gespannt darauf sein, wie sie sich verhalten.

3. Sind noch andere Bücher zur Weltenfabrik geplant? Wenn ja, welche?

Ja. Im Moment schreibe ich an »Jan Lux und der Zorn der Herrin« und mindestens ein weiteres Buch soll es noch geben. Ich will eine Art Grundstock schreiben, von dem ausgehend die Weltenfabrik selbst recht gut definiert ist, der aber ermöglicht, dass sich Leser eigene Welten ausdenken, eigene Figuren und eigene Geschichten entdecken. Wenn ich dann noch Lust habe, kann natürlich noch mehr kommen. Vielleicht mit anderen Hauptfiguren. Zwei Kurzgeschichten mit Fang in der Hauptrolle gibt es schon.

4. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Die Weltenfabrik ist auf jeden Fall ein wichtiger Pfeiler meiner zukünftigen Arbeit. Allerdings habe ich noch ein weiteres Projekt, dass derzeit in der Schreibtischschublade ruht: Da soll es um Labormäuse gehen, die ein Krankenhaus übernehmen, nachdem die Menschen verschwunden sind. Vermutlich ist das aber eher eine Geschichte für Erwachsene.

5. Welche Figur aus der Weltenfabrik mögen Sie am meisten?

Ich habe keinen einsamen Favoriten, aber ich kann drei Lieblinge verraten: Fang, Nadir und Brommin, ohne bestimmte Reihenfolge. Fang ist meiner Meinung nach ein guter Lehrer: Er ist verdammt streng, aber er weiß auch, was er von seinen Schülern erwarten kann. Er bringt sie an ihre Grenzen, zeigt ihnen damit aber auch, was alles in ihnen steckt. Nadir ist ein absolut treuer Freund, ein starker und cooler Kumpel, zu dem man mit jedem Problem kommen kann. Er hat ein Gespür dafür, was die Menschen um ihn herum bewegt, was sie brauchen. Und Brommin? Ich finde einfach die Vorstellung sehr lustig, wie dieser sich auf Stummelbeinen durch seine Kräuterstube schiebt, mit jedem seiner sechs Arme nach irgendeiner Medizin, einem Untersuchungswerkzeug oder einem Buch greift und dich gleichzeitig fragt: »Was fehlt dir denn?«, um hinterher mit der Zunge zu schnalzen, weil du wieder so doof warst, dir irgendeine Verletzung einzuhandeln.

6. Wie sind Ihnen die Ideen zu dem Buch gekommen?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage überhaupt, die man einem Autoren stellen kann. Es gibt zwei Ebenen – das eine ist der eher abstrakte Teil, in dem es um den Aufbau des Buches geht. Welche Funktion hat welche Figur, in welcher Reihenfolge werden welche Welten besucht, wie stelle ich die Protagonisten vor, kommt der Antagonist (der Schatten der Herrin) auch zu Wort oder ist er eine ferne Bedrohung? All das lernt man am besten, in dem man andere Bücher liest. Zu diesen Fragen haben andere Autoren schon eine Riesenzahl von Antworten gefunden, bei denen man sich bedienen kann, von denen man lernt und die man irgendwann auch variiert und um eigene Einfälle erweitert. Die andere Ebene ist die der reinen Phantastik: Wie sieht eine fremde Welt aus? Was für Bewohner hat die Weltenfabrik? Welche Sprache sprechen sie? Was sind die Begabungen der Agenten und welche Macht haben die Erbauer? Woher kommt der Schatten und warum ist er darauf aus, die Erde zu zerstören? Ich denke, jeder Mensch hat in seinem Kopf eine Quelle für diese Ideen, aber bei manchen tröpfelt es eher und bei manchen fließt ein großer breiter Strom der Phantasie. Ich glaube manchmal, bei mir ist das Ventil, dass diesen Strom regelt, kaputt: Mir kommen ständig und überall Ideen, in den blödesten Situationen. Meine Aufgabe ist eigentlich weniger, mir phantastische Elemente auszudenken, sondern aus dem Brunnen zu schöpfen und die guten von den schlechten Einfällen zu trennen.

7. In welcher Umgebung schreiben Sie am liebsten?

Die Geschichten selbst schreibe ich ganz profan am Computer. Das ist nicht sonderlich bequem und ich habe meinen Schreibtisch auch nicht besonders eingerichtet. Wenn ich statt Büchern Buchhaltungsberichte verfassen würde, gäbe es vermutlich keinen nennenswerten Unterschied. Was für mich aber ganz wichtig ist, ist das Notizbuch, in dem ich überall sonst, wenn ich keine Tastatur habe, meine Ideen festhalte. Manchmal kommt mir ein Gedanke, eine Dialogzeile, ein Detail für eine Figur oder ein kompletter Buchentwurf und es ist dann wichtig, das so schnell wie möglich zu Papier zu bringen. Deswegen ist mein wichtigstes Werkzeug eigentlich immer noch Stift und Notizbuch. Ich habe mir sogar die Arbeit gemacht, es selbst zu binden, mit weichem Leder, damit es angenehm in der Hand liegt.

8. Sind die Figuren einfach so entstanden oder gibt es Menschen, denen Sie diese Figuren zuordnen können?

Meine Figuren entstehen auf zwei Wegen: Zuerst ist wichtig, welche Funktion sie für die Geschichte erfüllen sollen. Welche Gefühle sollen sie beim Leser wecken – soll er sie mögen oder nicht? Sollen sie vielleicht Vorbildfunktion haben oder ein schlechtes Beispiel geben? Bei der Weltenfabrik habe ich mich bemüht, mit Jan eine bunte Mischung aus Mitstreitern auf den Weg zu schicken, die aus verschiedenen Ecken der Erde kommen und eine ganz unterschiedliche Sicht auf Probleme mitbringen. Leider kenne ich keine südamerikanischen Ureinwohner oder Chinesen persönlich. Aber die Details, was einen Menschen sympathisch macht oder was mich denken lässt: »Was für ein fieser Kerl!«, die schaue ich mir selbstverständlich bei den Leuten aus meiner Umgebung ab. Wer das genau ist, verrate ich aber nicht.

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Eingeordnet unter Phantastik, Vermischtes zur Weltenfabrik, Weltenbasteln

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