Weltenbau, Weltenbasteln: Wie es zur Weltenfabrik kam und was fiktive Welten mir bedeuten Teil 3

Dies wird der vorerst letzte Teil in dieser Reihe, die ich aber gedenke, weiter im Auge zu behalten und bei Gelegenheit zu ergänzen. Ich bin kein Weltenbautheoretiker und habe bereits im ersten Teil einige Links gesetzt, in denen man sich zu dem Thema ausführlicher informieren und austauschen kann. Der zweite Teil beschreibt meinen persönlichen Werdegang als Weltenbauer und wie es dazu kam, dass ich Autor der Weltenfabrik wurde.

Nun aber zu dem Versprechen, dass der Titel macht, welches ich aber noch nicht eingelöst habe: Was bedeutet es mir eigentlich, Weltenbauer zu sein?

Kurz: Alles. Der Weltenbau – und mittlerweile das Schreiben ebenso – ist eine Art Ventil in meinem Kopf, ohne das ich wohl platzen müsste. Phantasie ist für mich eine Macht, die ungeheure kreative Energien freisetzt und dabei ohne Rücksicht auf Verluste Dinge, Orte, Wesen und Geschichten erschafft, völlig unabhängig davon, ob in einem Gehirn eigentlich noch andere Dinge Platz finden sollten oder nicht. Und wie ich bereits beschrieben habe: Diese Macht verschafft sich Raum – ohne Rücksicht auf Verluste. Tagträume sind da noch das kleinste Problem, die hinterlassen in der Regel kaum Spuren. Aber gezeichnete Karten, erfundene Völker samt ihrer Helden, Leidensgeschichten oder seltsamen Eigenheiten, eine komplexe fremdartige Flora und Fauna, die ineinandergreifen wie ein Uhrwerk und letztlich dazu dienen, epische Geschichten aufzuspannen oder winzig kleinen Miniaturen und Kammerstücken im Alltag erfundener Personen zu erzählen – die sorgen dafür, dass man, wenn man sie ausgerechnet auf der Schulbank aufschreibt, zeichnet oder mit einer kleinen Armee von Stiften, Tintenpatronen und Zettelchen nachspielt, doch einiges an Unordnung produziert. Vor allem auf dem Zeugnis.

Ich bin getrieben – ich kann nicht anders. Daher das Bild des Ventils: In meinem Kopf entsteht einfach dieser ganze wirre Kram, der meine Synapsen sprengen würde, wenn ich ihn nicht in Bahnen lenkte, sortierte, den offensichtlichen Blödsinn verwarf, die besseren Ideen notierte und die wirklich guten Gedanken sorgfältig ausarbeitete. Es tut mir gut, meine Phantasie schweifen zu lassen und meinen inneren Erzählern zu lauschen. Es ist mir ein Bedürfnis, dem stummen Heer von Autoren, die hinter meiner Stirn arbeiten, wenigstens EINE Stimme zu verleihen, auch wenn ich den allergrößten Teil an Kreationen heutzutage gar nicht mehr verfolgen kann.

Was für mich bedeutet, Weltenbauer zu sein? Es heißt, Mensch zu sein. Ich liebe das folgende Zitat von Terry Pratchett:

“The anthropologists got it wrong when they named our species Homo sapiens (‚wise man‘). In any case it’s an arrogant and bigheaded thing to say, wisdom being one of our least evident features. In reality, we are Pan narrans, the storytelling chimpanzee.”

„Die Anthropologen lagen falsch als sie unsere Spezies Homo sapiens (wissender Mensch) genannt haben. Auf jeden Fall is es eine arrogane und großkotzige Aussage, wo doch Weisheit eine unserer am wenigstens prägenden Eigenschaften ist. In Wirklichkeit sind wir Pan narrans, der Geschichten erzählende Schimpanse.“ (meine, sinngemäße, Übersetzung)

Hierin steckt die Vorstellung, dass unsere Vorfahren die ersten Lebewesen waren, die zu den Sternen blickten und dort nicht nur Lichtpunkte sahen, sondern ferne Orte, Götter, die Seelen von Verstorbenen und dergleichen mehr. Viel zu viele Menschen haben diese innere Stimme im Laufe des Erwachsenwerdens zum Verstummen gebracht, Phantasie gilt außerhalb besonders kreativlastiger Branchen als kindisch, fehlgeleitete Energie, Verschwendung von Geisteskraft. Dabei ist sie die Macht, die unsere Zivilisation antreibt, uns zu fremden Ufern blicken und nach den Sternen greifen lässt.

Ich will mir natürlich nicht den Gedanken anmaßen, mit meinen Büchern und sonstigen Phantasieprodukten die Menschheit weiter zu bringen – aber darum geht es ja auch gar nicht. Eine Geschichte hat ihren Zweck bereits dann erfüllt, wenn sie den Geist eines Menschen kurz vom Alltag Erholung geboten, ihm Anlass zum Mitfiebern bei Abenteuern, Staunen über Schätze und Entdeckungen oder Trauern um einen gescheiterten Helden geschenkt hat. Vielleicht bin ich auch einfach jemand, dessen verträgliche Alltagsdosis besonders niedrig ist und der sich daher besonders oft in diese Traumwelten fliehen will.

Aber ich kann darin gewiss keine Schande erkennen.

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