Weltenbau, Weltenbasteln: Wie es zur Weltenfabrik kam und was fiktive Welten mir bedeuten Teil 1

Für Autoren ist es nichts ungewöhnliches, sich in Fiktive Welten zu begeben und dabei der erste reale Mensch zu sein, der sie überhaupt betritt. Sie erkunden stellvertretend für die Leser späterer  Werke fremde Gefilde und zeichnen dabei Karten, lernen Einwohner und Gebräuche kennen, entdecken sogar fremde Sprachen, Schätze oder Monster. Aus diesen fantastischen Erfahrungen werden später Geschichten, Romane, Sagen oder die Vorlagen für Rollenspiele. Und wenn man sich die Historie fantastischer Literatur ansieht, so kamen entsprechende Schöpfungen, zum Beispiel die Insel Atlantis, recht früh in den Fokus der Autoren. Die religiöse Mythologie kannte Götterwelten und verschiedene Ausformungen eines Jenseits, die ebenfalls ausführlich beschrieben wurden und dabei – völlig ohne Wertung – Geschichten erzählten, die so auf der Erde in der realen Erfahrungswelt der Menschen unmöglich waren. Wer sich mit der Historie und bekannten Größen beschäftigen will, dem sei der Wikipedia-Artikel als Einstieg empfohlen.

Der heutzutage für sein Werk vermutlich bekannteste fantastische Autor ist sicherlich Tolkien, um den auch ich in meiner Jugend nicht herum kam. Auch die Science-Fiction-Literatur hat umfangreiche Kreationen zu bieten, sobald sie in Bereiche vorstößt, die kein Mensch bisher betreten hat. Bis vor einigen Jahrzehnten bevölkerten noch Amazonen und Dinosaurier die unendlichen Dschungel der nahen Venus. Und nicht nur unser eigenes Universum wird ausgebaut. Wir mussten nicht erst auf die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik warten, um uns mit Parallelwelten zu beschäftigen, aber das Konzept eines Multiversums, also einer Unendlichkeit vielfältiger paralleler Universen, die gern in der Science-Fiction zitiert wird, geht auf diese physikalische Weltsicht zurück.

Außerhalb von Märchen oder einem religiösen Kontext kam ich zum ersten Mal durch Michael Endes „Unendliche Geschichte“ mit derartigen Kreativprodukten in Berührung. Auch die Welt, die Jonathan in Ralf Isaus „Neschan-Trilogie“ erkundete, prägte mich. Spätestens das Computerspiel „Das Schwarze Auge: Sternenschweif“ faszinierte mich mit einer fiktiven Landkarte, auf der man seine Abenteuer nachzeichnen und ferne Ziele entdecken konnte. Dies war auch mein Einstieg ins Rollenspiel, ein Hobby mit einer großen Zahl begeisterter Weltenbauer, deren Kreationen oftmals nur der heimischen Spielrunde präsentiert und genau auf deren Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Nun also war ich im Weltenbau angekommen, denn schon bald malte ich mir erste Landkarten fantastischer Welten aus. Alle diese Schöpfungen waren selbstverständlich hauptsächlich Kopien und enthielten wenig aufsehenerregend Neues. Die übliche Welt besaß einen Ozean, damit die Helden die Chance auf spannende Abenteuer auf See hatten, riesige Gebirge, in denen Zwerge und Riesen beheimatet waren, schattige Wälder voller Elfen und natürlich Orks und Trolle als Bösewichte. Die Heldenreise – die ich nie in Textform aufschrieb, sondern meist direkt auf der Karte skizzierte – war gleichzeitig eine Rundreise durch die Welt, die ich stolz möglichst vollständig präsentieren wollte. All dies waren natürlich keine plastischen oder lebendigen Produkte sondern ziemlich flache und öde Gegenden, die nur dazu dienten, dem Helden etwas zu tun zu geben. Auf die Idee, dass die Bewohner auch eigene Pläne und Wünsche, Kulturen, ja überhaupt ein Leben abseits der Geschichte haben konnten, kam ich lange nicht.

Wie sich die Form meiner Weltenkreationen wandelte und wie es schließlich zum ersten Entwurf des Settings „Weltenfabrik“ kam, erzähle ich im nächsten Teil.

Hier noch einige Links zum Thema:

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