Das ist also die Weltenfabrik.

Ein Koloss aus Metall, Stein und anderen Materialien, der beständig wächst und sich in stetiger Veränderung befindet. Die Fabrik ist beinahe selbst lebendig, auf jeden Fall ist sie der Ursprung allen Lebens. In ihr werden Welten geboren. Welten? Universen!

Die Fabrik ist von außen betrachtet ein unförmiger Klotz. Hier und dort haben sich Ausbuchtungen und Erker gebildet, an einigen Stellen schrauben sich große Türme in die Unendlichkeit. Anderenorts gibt es große Höhlen, in die einige lose Kabel, Tropfsteine oder Leitern hineinragen, als hätte ein Riese einfach ein Stück aus dem Gebilde herausgebissen. Und schließlich existieren einige Teile, die nur über schmale Stege oder einige Drahtseile und Rohre mit dem Rest des Konstruktes in Verbindung stehen – Sateliten, die nur selten betreten wurden.

Wenn man die Fabrik etwas näher ansieht, findet man sie von Leben erfüllt: Wesenheiten der unterschiedlichsten Formen und Gestalten, in Frieden nebeneinander. Hier und dort zischt Dampf, es tropft Öl, unentwegt wird gehämmert, gesägt, geschraubt und – geschaffen.

Rohrleitungen winden sich gewaltigen Schlangen gleich durch ihren Leib. Es gibt Brücken, Tunnel, Treppen, Leitern, Seilbahnen und Aufzüge, die die unterschiedlichen Abteilungen und Ebenen der Fabrik miteinander verbinden. Hier und dort ist ein Gewächshaus oder ein Park entstanden, eine atmende Lunge inmitten der eckigen und kantigen Hallen und Gemäuer. Es gibt auch Unterkünfte für die Bewohner, jede Einheit genau nach den Bedürfnissen ihrer Gäste gestaltet.

Die Fabrik schwebt in Schwärze, ist bis in die Unendlichkeit der einzige Fixpunkt. Man darf, wenn man in ihr lebt, seinen Blick nicht zu weit in die Ferne schweifen lassen, denn schon bald beginnen die Augen zu tränen und der Geist verzweifelt an der Aufgabe, sich einen Reim auf das Nichts zu machen. Die Fabrik ist der Ursprung allen Seins und an dem Ort an dem sie sich befindet, ist sie das einzige, was ist, was war und was sein wird.

Aber von ihr ausgehend führen viele Wege an andere Orte: Auch unser Universum entspringt dieser Wiege der Welten. Und die Zahl ihrer anderen Schöpfungen ist unermesslich groß.

Die Herren der Fabrik heißen Erbauer. Sie sind die Architekten, die allerersten Schöpfer. Man darf sie nicht mit Göttern verwechseln – sie sind diejenigen, die Götter erschaffen.

Sicherlich kommt dabei die Frage auf, wer die Weltenfabrik geschaffen hat, wer sie erdachte, wer die Erbauer ins Leben rief, denn alles muss einen Anfang haben und nichts kann entstehen, ohne dass nicht vorher schon etwas anderes da gewesen wäre. Die Antwort darauf ist so einfach wie unbefriedigend: Die Fabrik entstand einfach, weil ohne sie nie etwas dagewesen wäre. Und vorher? Da gab es sie auch schon. An zahllosen Rätseln ihrer Existenz sind bisher selbst die weisesten Köpfe gescheitert, deswegen braucht sich niemand klein fühlen, der nicht alle ihre Geheimnisse versteht.

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