Regeln zur Gestaltung von Kulturen I

Damit ich mit der Beispielwelt endlich mal voran komme, hier ein Entwurf für die Regeln zur Generierung von Kulturen. Als Basis soll natürlich der Artikel dienen, in welchem ich bereits beschrieben habe, wie ich Gesellschaftssysteme und Kulturen aufschlüsseln möchte.

Folgende Punkte habe ich dabei bedacht:

  • Regierungsform
  • Hierarchie
  • Militarismus/ Expansionsdrang/ Aggression (nach außen)
  • Streben nach Status in der Gesellschaft (dazu Beispiele von Statussymbolen/Statusindikatoren)
  • Toleranz nach außen (wie gut werden Fremde integriert bzw. akzeptiert)
  • Toleranz nach innen (wie gut verträgt die Gesellschaft “Abweicheler”) -> Das geht auch mit Individualismus zusammen, eventuell kann man hier auch eine Art “Ehrenkodex” abbilden
  • Techlevel/ Ansehen von Gelehrten
  • Religion, Kunst und Musik
  • Rolle von Magie
  • Merkmale (z.B. Individualität/ Kollektivismus, Lang-/kurzfristig planende Kulturen; Fetische)

Gut, bringen wir das Ganze also mal in Form:

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Einleitung

Sich eine komplett neue und fremdartige Kultur auszudenken, wird die Phantasie der meisten Menschen auf eine schwere Probe stellen. Bietet die Biologie doch etliche Vorbilder und Inspirationen für die Gestalt und Lebensweise von neuen Kreaturen, ist es kein leichtes, sich abseits des Spektrums menschlicher Kulturen Anregungen für neue Gesellschaftsformen zu suchen, da Kultur definitiv ein Alleinstellungsmerkmal des Homo sapiens ist (Mehr oder weniger, jedenfalls wird die Abwesenheit von Kultur bei einem Mitmenschen sehr schnell enttarnt und mit netten Metaphern oder Bezeichnungen bedacht). Doch geht dies mit einer weiteren Unfähigkeit des Menschen Hand in Hand: Weil wir uns keine völlig fremden Kulturen vorstellen können, werden wir auch nie in der Lage sein, diese zu spielen. Man kann wohl Wetten darauf abschließen, dass die Menschheit bei der Konfrontation mit der ersten non- human culture entweder Bauklötzer staunt oder gar nicht bereit ist, das Prädikat “Kultur” überhaupt zu vergeben.

Bei der Benutzung dieses Kapitels sollten also keine allzu hohen Erwartungen in Hinsicht Exotik an die Ergebnisse gestellt werden, die meisten Kombinationen werden wohl an irgendeine irdisch existente Kultur erinnern. Unter der Annahme eines fiktiven “Staates”, der wie auch immer aussehen mag, seien im Folgenden alle Angehörigen einer bestimmten Kultur fortan als Bürger bezeichnet.

1. Schritt: Hierarchie und Regierung

Hierarchie beschreibt die Entfernung der größtmöglichen Macht von einem normalen Bürger. Je stärker die Hierarchie, desto tiefer ist sie in der Kultur verwurzelt, desto schwieriger ist das “Quereinsteigen” und desto undurchdringlicher ist die soziale Schichtung entlang dieser Sortierung. Eine hierarchische Kultur hat immer ein paar wenige Leute an der Spitze, die dem Rest erzählen dürfen, was zu tun und was zu lassen ist. Mit schwächer werdenderer Ausprägung gibt es immer mehr Leute an dieser Spitze, die dann auch immer weniger zu sagen haben. Das ist erfreulich einfach. Eine Frage, die noch zu klären ist, wäre, wie man in der Hierarchie aufsteigen kann und wie die Spitze der Hierarchie bestimmt wird.

Hierarchieskala (W10):

  • 1: Absolute Gleichberechtigung, Entscheidungen werden kollektiv getroffen (Diskussion, Gottesurteil, Losverfahren etc.)
  • 3: keine gemeinsame Regierung, lokale Sprecher/ Entscheider, die gemeinsam Entscheidungen finden müssen, die alle betreffen (Clansystem, Rätesystem etc.)
  • 7: Pyramidenstruktur, bei der jede Pyramidenebene noch Entscheidungsbefugnisse hat, aber von oben bereits viele Vorgaben bekommt (Föderalismus, gestaffeltes Rätesystem, teilautonome Adelshierarchie etc.)
  • 10: absolutistischer zentralistischer Herrscher, der alle Macht auf sich vereinigt (Führerkult, Absolutismus, religiöser Führer etc.)

Aufstiegsmöglichkeiten (W10):

  1. Wahl (Wer ist wahlberechtigt? Wer darf sich zur Wahl stellen?)
  2. Los (Hat jeder nur ein Los oder mehrere Lose kaufen?)
  3. Geburtsrecht/ Adel (automatisch Angehöriger einer Hierarchieebene)
  4. spezielle Ausbildung (Auswahl geeigneter Kandidaten durch Angehörige des nächsthöheren Hierarchiegrades)
  5. Jury (Debattensystem)
  6. Beförderung nach Leistung (interessant v.a. für militaristische Systeme)
  7. Duellsystem (Kampf um einen freien Platz oder Herausforderung des Inhabers des nächsthöheren Hierarchiegrades)
  8. Einkaufen in höheres Amt
  9. Kastensystem ohne Aufsteigsmöglichkeiten
  10. Magokratie/Technokratie: Beförderung durch den Erwerb bestimmter Fähigkeiten

2. Schritt: Aggressives Potential

Wie gut ist eine Gesellschaft in der Lage, sich gegen Bedrohungen zu verteidigen? Inwiefern stellt sie vielleicht selbst sogar eine Bedrohung für ihre Nachbarn dar? Das sind die Fragen, die hier geklärt werden sollen. Für die erste Frage soll hier der Begriff “Militarismus” verwendet werden, da echte militärische Stärke nur relativ im Vergleich zu anderen Kulturen interessant ist und ein relativ gesehen technologisch rückständiges und schlecht versorgtes Militär auch in einem Staat existieren kann, der komplett aufs Kämpfen ausgerichtet ist.

Militarismus (W10):

  • 1: Pazifistische Weltanschauung, selbst Bedrohungen von außen wird friedlich begegnet, Kämpfen ist einfach absolut keine Option
  • 3: Es gibt ein Militär, das allerdings ein recht schlechtes Ansehen genießt, es gilt als eher notwendiges Übel und wird eher stiefmütterlich behandelt
  • 7: Großes Bedürfnis nach Sicherheit oder militärischer Erstschlagskraft, das Militär besitzt im Staat ein hohes Ansehen, Militärs bekleiden i.d.R. auch politische Ämter und werden in der Öffentlichkeit in viele Entscheidungen mit einbezogen, um die Wehr-/Kampfkraft zu optimieren
  • 10: Totaler Militarismus, wer nicht kämpfen kann, gilt nichts, die komplette Gesellschaft ist auf maximale Schlagkraft und militärische Effizienz ausgerichtet, es herrscht eine von militärischen Begriffen dominierte Sprache, der oberste Herrscher ist auch oberster Militär

Dazu im Vergleich – und das ist wichtig – sagt die Skala der Aggressivität etwas über den Expansionsdrang bzw. die Lust aufs Kämpfen an sich aus. Wer aggressiv ist, misst sich gern mit einem Gegner (und ist natürlich gern überlegen). Ein hoher Wert im Aggressionspotential ist logisch eher mit einem hohen Wert in Militarismus verknüpft als anders herum: Eine paranoide Gesellschaft mit einem massiven Sicherheitsbedürfnis kann an sich völlig friedlich sein, keine Präventivschläge durchführen etc. – aber eine aggressive Gesellschaft wird eher selten komplett pazifistisch eingestellt sein.

Aggressionspotential (W10):

  • 1: Friedliebend, auf Stabilität und Vermeidung von Konflikten bedacht
  • 3: Konflikte werden nur ungern angenommen, nur bei massiven Beeinträchtigungen der eigenen Interessen geht man militärisch vor
  • 7: Man neigt dazu, anderen seinen Willen militärisch aufzuzwingen, ist auch Eroberungen nicht abgeneigt oder hat schlicht Lust, sich mit einem guten Gegner militärisch zu messen
  • 10: Ultimative Aggression – egal, ob es darum geht, durch militärische Macht zu herrschen, Stärke zu demonstrieren, Land und/oder Leute zu erobern oder gar einfach aus Lust die Welt brennen zu lassen

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Soweit erstmal zum ersten Teil. Demnächst wird sicher mehr dazu folgen, bezüglich der Reihenfolge bin ich mir noch nicht ganz sicher, das hängt auch davon ab, welche Abhängigkeiten sich während des Schreibens der einzelnen Punkte ergeben. Merkmale kommen sicherlich zuletzt. Ich bin mir bereits hier unsicher, ob ich nicht lieber den Militärkram vor die Hierarchiestruktur stelle, da Militarismus bei der Auswahl der Herrschaftsmodi durchaus eine Rolle spielen dürfte.

Es wird noch spannend, zu erkunden, wie die einzelnen Elemente der Kulturebene ineinander greifen und sich bei der Plausibilität der Auswahl gegenseitig beeinflussen.

2 Comments

  1. June 24, 2011 at 9:53 pm

    [...] Link zum Teil I [...]

  2. dario said,

    July 13, 2011 at 7:40 pm

    “Rätesystem” könnte auch bei absoluter Gleichberechtigung stehen. Das Räteystem featured normalerweise ein imperatives Mandat, sprich die Delegierten entscheiden nur nach dem Willen der Gruppe, und wehe wenn nicht. ;) Deine absolute Glechberechtigung lässt sonst auch die Frage offen wie sie auf überregonaler Ebene, sprich in einer Kultur, funktionieren soll


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